Im Test! Alien: Isolation für Nintendo Switch

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    • Im Test! Alien: Isolation für Nintendo Switch

      Titel Alien: Isolation
      Japan 05. Dezember 2019
      SEGA
      Nordamerika 05. Dezember 2019
      SEGA
      Europa 05. Dezember 2019
      SEGA
      System PlayStation 3, PlayStation 4, Xbox 360, Xbox One, PC, Nintendo Switch
      Getestet für Nintendo Switch
      Entwickler Feral Interactive
      Genres Survival-Horror
      Texte
      Deutschland Nordamerika
      Vertonung Deutschland Nordamerika

      Es war einmal eine Zeit, in der die Videospielindustrie der breiten Masse ständig erklären wollte, welche Genres der breiten Masse gefallen und welche es nicht tun. Im Grunde läuft es heute auch noch so, aber was das Survival-Horror-Genre einst durchmachte, dient mittlerweile als mahnender Finger für eine viel zu überhebliche Industrie.

      Zu Beginn des 21. Jahrhunderts haben Frequenz und Qualität der Survival-Horror-Spiele maßgeblich abgenommen. Nicht nur, dass es weniger neue IPs gab, auch altehrwürdige Reihen, die das Genre einmal definiert haben, sind immer weiter Richtung Action abgedriftet. Dies ging so weit, dass die ersten Jahre der letzten Dekade kaum nennenswerte Spiele mit hohem Gruselfaktor bieten konnten.

      Personal Terror

      Wenn AAA-Publisher Nischen nicht bedienen wollen, dann wittern natürlich Indie-Entwickler ihre Chance und im Stillen wuchs mit Titeln wie Outlast, Five Nights at Freddy’s und Amnesia: The Dark Descent eine neue Art von Terror. Erst um 2014 herum kamen die großen Publisher dahinter und mit einer simplen Demo schaffte es ausgerechnet Konami, den Horror wieder salonfähig zu machen.

      In eben diesem zweiten Frühling für das Genre warf auch Sega seinen Hut in den Ring. Mit Alien: Isolation haben die Entwickler nicht nur ein Paradebeispiel für das Genre, sondern womöglich auch die dem Quellmaterial treueste und beste Videospiel-Umsetzung eines Spielfilms geschaffen.

      Während der diesjährigen E3 wurde die Nintendo-Switch-Portierung in einem Übersichtstrailer unspektakulär angekündigt. Heute ist die Portierung im Nintendo eShop zu haben und kann sich durch einen simplen Fakt von den anderen Versionen der siebten und achten Konsolengeneration abheben: Die Nintendo-Switch-Version sieht im Vergleich zu allen anderen besser aus und läuft flüssiger! Zugegeben, das Spiel hat bereits fünf Jahre auf dem Buckel, aber für ein großes AAA-Spiel ist eine solche Umsetzung vielleicht sogar eine Premiere.

      Oh Ripley, where art thou

      Wir schreiben das Jahr 2137. Seit über 15 Jahren ist das Schicksal von Ellen Ripley ungewiss. Als die Nostromo viele Jahre zuvor die Segel setzte, konnte wohl niemand ahnen, was Weyland Yutani für eine schreckliche Rolle spielen würde.

      Für eben diese Firma arbeitet nun auch Amanda, die Tochter von Ellen Ripley. Als der Flugschreiber der Nostromo nach so langer Zeit wieder auftaucht und Hoffnung auf eine Rettung von Ripley macht, bricht Amanda natürlich sofort auf, um ihre Mutter wiederzusehen oder zumindest mit ihrem Schicksal abzuschließen.

      Damit ist die perfekte Rahmenhandlung und Motivation geschaffen, um eine erneut starke Protagonistin auf eine Raumstation zu schicken, die nicht nur von Menschen und Androiden bewohnt wird.

      Die Rolle von Amanda besteht hier zwar über lange Strecken aus simplen Fetchquests und dem Drücken bzw. Umlegen von Schaltern, doch sie kann stets mit ihrer Persönlichkeit überzeugen. Die großen Überraschungen sind zudem bei einer Firma wie Umbrell… Weyland Yutani vorprogrammiert. Somit sind diese mal mehr und mal weniger überraschend.

      Give me that sweet horror!

      Die größte Stärke von Alien: Isolation liegt jedoch weniger in der simplen Erzählung, sondern an anderer Stelle. Es ist die Atmosphäre, welche dieses Spiel 2014 zu einem absoluten Geheimtipp machte und sogar heute noch macht.

      »Die größte Stärke von Alien: Isolation liegt weniger in der simplen Erzählung. Es ist die Atmosphäre, welche dieses Spiel 2014 zu einem absoluten Geheimtipp machte.«

      Bereits in den ersten Szenen wird deutlich, dass die Entwickler sich den ersten (und zweifelsohne den besten) Teil der Alien-Anthologie als Vorbild genommen haben. Jeder Raum, jeder Bildschirm und jedes Detail strotzt nur so vor dem Charme des retrofuturistischen Looks des Spielfilms. Alles wirkt wie aus einem Guss und macht so die Welt nicht nur realistisch, sondern auch schaurig schön.

      Die Entwickler haben verstanden, dass Horror nur mit der richtigen Umgebung und der richtigen Beleuchtung funktioniert. Feral Interactive haben sich die größte Mühe gegeben, eben dieses dichte Konstrukt auf Nintendo Switch zu packen. Dank neuer Antialiasing-Techniken sind alle Kanten blitzsauber, während die Xbox-One- und PlayStation-4-Versionen noch unter vielen kleinen Treppchen litten. Das Gesamtbild ist nun schöner denn je.

      Im direkten Vergleich fällt auf, dass auf Nintendo Switch einige Detail-Schatten fehlen und Objekte in der Ferne weniger komplex dargestellt werden. Aber hier liegt nun der größte Unterschied. Die Aspekte, die für Nintendos Hybridkonsole abgeschwächt wurden, fallen ausschließlich im direkten Vergleich auf, während die Verbesserungen zu jeder Zeit sichtbar und spürbar sind.

      Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann

      Feral Interactive haben an genau den richtigen Stellen Abstriche gemacht und an genau den richtigen Stellen Hand angelegt. Das Ergebnis: Auch nach fünf Jahren sieht Alien: Isolation fantastisch aus und erzeugt eine perfekte Atmosphäre. Natürlich hat man mittlerweile auch schon schönere Charaktermodelle gesehen, aber nichtsdestotrotz können auch sie heute noch überzeugen.

      Das Sounddesign ist aber natürlich nicht minder wichtig. Hier und da zischt ein Ventil, die Metalloberflächen klackern, aber im Weltall ist Stille der wohl größte Horror. Wenn nach einer Weile der legendäre Xenomorph seinen komplett uninszenierten Auftritt hat, sind der Grusel- und Panikfaktor umso höher, eben weil die Entwickler hier das größte Fettnäpfchen des Genres gekonnt umschiffen.

      Während in anderen Spielen die Feinde ihren episch inszenierten Auftritt mit einem Stepptanz im Scheinwerferlicht feiern, zeigt Alien: Isolation, dass Subtilität um ein Vielfaches effektiver ist, um dem Spieler das Blut in den Adern gefrieren zu lassen.

      Der Spieler selbst muss auf das groteske außerirdische Wesen reagieren, ebenso wie auf dessen unvorhersehbare Handlungen. Diese Unvorhersehbarkeit und Spontanität des Xenomorphs macht das Spiel so realistisch und die Hosen so feucht. Man darf sich hier nie in Sicherheit wiegen, denn wenn es dem Monster in den Sinn kommt, dreht es sich auch acht Mal um die eigene Achse.

      1, 2, Xenomorph kommt vorbei

      Es gilt also, ein perfides Versteckspiel zu spielen, bei dem es nur den Tod als Konsequenz gibt. Amanda hat aber gerade genug Materialien und Wissen bei sich, um dem Wesen aus einer anderen Welt ein ums andere Mal durch die Lappen zu gehen.

      Die unvorhersehbare KI ist dabei jedoch ein zweischneidiges Schwert. Natürlich entsteht dadurch mehr Atmosphäre, Horror und Realismus, aber andererseits muss Amanda zu ganz bestimmten Orten gelangen. Wenn die KI sich dazu entscheidet, gerade dort minutenlang zu verweilen, kann es schon mal frustrierend werden.

      Besonders, wenn man zu Beginn noch nicht die richtigen Tools zur Verfügung hat. Damit sind nicht nur Objekte wie der Flammenwerfer gemeint, sondern auch nötiges Wissen, etwa wann man schleichen, rennen oder die Luft anhalten sollte. Es fehlt ein wenig an Tutorials, was zu sehr vielen Game-Over-Bildschirmen führt. Spieler mit wenig Geduld werden damit große Probleme haben, andere werden jedoch diesen mehr als akzeptablen Kompromiss gerne in Kauf nehmen.

      »Die Entwickler haben verstanden, dass Horror nur mit der richtigen Umgebung und der richtigen Beleuchtung funktioniert.«

      Generell sieht der Star von Alien: Isolation, der Xenomorph, einfach atemberaubend gruselig aus, was nicht nur an dem fabelhaften Design von H. R. Giger liegt. Er ist wunderbar animiert und bewegt sich passend zur Anatomie und zu seinem Gewicht. Wenn man sich unter einem Tisch versteckt und das Biest langsam durch den Raum schlurft, spürt man jeden einzelnen Schritt und man betet, dass er den Raum wieder verlässt.

      3, 4, Androiden stehen vor der Tür

      Neben dem Xenomorph gilt es auch, wahnsinnigen Androiden und Menschen aus dem Weg zu gehen. Auch wenn diese nicht annähernd so furchteinflößend sind wie das titelgebende Alien, haben die Entwickler auch hier einen interessanten Twist eingebaut.

      Während die Roboter von außen Amanda angreifen und töten wollen, laufen die Sprachchips noch normal und zeigen, welche gewöhnlichen Rollen diese Androiden einst innehatten. Dadurch erhält dieses Hindernis gleich viel mehr Persönlichkeit und Terror.

      Auch an der fantastischen englischen Synchronisation gibt es kaum etwas auszusetzen. Die Sprecher treffen die richtigen Töne, wobei Amanda natürlich die schwierigste Aufgabe dabei hat und diese jedoch mit Bravour meistert. Selbstverständlich wird auch eine deutsche Synchronisation geboten, die ebenfalls von hoher Qualität zeugt, aber nicht immer ganz ins Schwarze trifft.

      Im All hört niemand deine Tochter schreien

      Alien: Isolation war vor fünf Jahren ein grausamer Spaß. Voller Atmosphäre, voller Terror und voller Angstschweiß. Bis zum 5. Dezember wusste ich nicht, dass ich ausgerechnet mit diesem Spiel auf Nintendo Switch so viel Spaß haben würde.

      Dank Feral Interactive ist diese Version mit Abstand die schönste und beste. Die Schere wurde an den richtigen Stellen angesetzt und neue Techniken an den passenden Stellen hinzugefügt. Schärfer, flüssiger und schöner ist das Spiel dadurch. Der Xenomorph tut dann sein Übriges und sorgt für feuchte Unterwäsche.

      Die Subtilität, mit der dieses Spiel angegangen wurde, überzeugt auch heute noch auf ganzer Linie. Sie, sowie die fehlenden Tutorials und die klobigen Menüs, verlangen den Spielern viel Geduld ab. Doch wenn man sich auf das Abenteuer und die unzähligen Game-Over-Bildschirme einlässt, wird man mit einem der besten Survival-Horror-Spiele der letzten zehn Jahre belohnt.

      Der famose retrofuturistische Look der Sevastopol und die treue Umsetzung des Originalmaterials sorgen für die perfekte Atmosphäre. Fans der Alien-Anthologie werden zweifelsohne auch auf Nintendo Switch ihren Spaß mit Alien: Isolation haben, ebenso wie alle Survival-Horror-Fans.

       

      Story

      15 Jahre nach dem Verschwinden der legendären Nostromo taucht der Flugschreiber auf. Genug Motivation für Amanda und für die Spieler, um auf die Suche nach Ellen Ripley aufzubrechen. Gut gemacht, aber keine Genre-definierende Erzählung.

      Gameplay

      Das wohl schaurigste aller Versteckspiele. Die Spontanität des Xenomorphs, in Kombination mit fehlenden Tutorials, kann für Frust, aber auch für das perfekte Horrorfeeling sorgen.

      Grafik

      Ja, es ist möglich. Die Nintendo-Switch-Umsetzung sieht schöner aus und läuft besser als alle anderen Versionen. Der makellose retrofuturistische Look spielt in Sachen Qualität nach wie vor ganz oben mit.

      Sound

      Hier wird die Stille perfekt genutzt, um die fantastische Atmosphäre zu schaffen. Soundeffekte, der seltene aber effektive Soundtrack und die Synchronisation überzeugen ebenfalls heute noch.

      Sonstiges

      Durchschnittlich 20 Stunden dauert das schreckliche Vergnügen. Mehrere Schwierigkeitsgrade und alle sieben DLCs sind mit dabei.

      Bildmaterial: Alien: Isolation, Sega / Creative Assembly, Feral Interactive