PETA vs. Videospiele: Die besten PETA-Einwände, von Parodie bis berechtigter Kritik

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    • PETA vs. Videospiele: Die besten PETA-Einwände, von Parodie bis berechtigter Kritik

      Seit Jahren macht die PETA in der Videospielpresse regelmäßig Schlagzeilen. Auch wenn sich immer wieder Gamer überrascht und erbost über die vermeintlich seltsamen PETA-Anwandlungen zeigen, so ist das Vorgehen der PETA doch auch recht durchschaubar.

      In feiner Regelmäßigkeit nimmt sich die Tierschutzorganisation populäre Videospiele zur Brust und kritisiert sowie parodiert auf teilweise absurde Art und Weise bestimmte, Tierschutz-relevante Spielinhalte.

      Erzürnte Fans teilen diese Schlagzeilen in den sozialen Netzwerken, sodass die Beiträge auch bei der Presse ein gern gesehener Gast sind. Oft fallen die PETA-Botschaften sehr nah an die Erscheinungstermine der Spiele. So auch im aktuellsten Fall: Far Cry 6. Den findet ihr gleich zu Beginn unseres Artikels.

      Am Ende haben alle etwas davon: Die PETA ist in aller Munde, denn natürlich ist Tierschutz auch ein wichtiges Thema. Die Medien erhalten Zulauf und die Publisher dürften in den meisten Fällen auch nicht unzufrieden sein. Und Leserinnen und Leser, die es schaffen, die Sache mit dem notwendigen Abstand zu betrachten, werden unterhalten und sensibilisiert.

      PETA vs. Videospiele: Die 8 besten Einwände

      Wir haben einen Blick in die Geschichte der PETA-Kritiken geworfen und möchten euch nachfolgend die vermeintlich seltsamsten PETA-Anwandlungen der letzten Jahre vorstellen. „Vermeintlich“ deshalb, weil die Bandbreite von „absurd“ bis „berechtigt“ reicht. Nicht immer bleibt es lustig.

      Hahnenkämpfe in Far Cry 6

      In Far Cry 6 gibt es ein Hahnenkampf-Minispiel, in dem ihr zwei Hähne gegeneinander kämpfen lassen könnt. Diesmal meldet sich die lateinamerikanische Abteilung der PETA, nicht ohne Grund: Dort (und insbesondere auf den Philippinen) sind Hahnenkämpfe nämlich immer noch ein Thema.

      Nicht lustig, findet die PETA. (Bildmaterial: Ubisoft, YouTube: RajmanGaming HD)

      Wie dieses „Minispiel“ aussieht, könnt ihr euch in diesem YouTube-Video selbst ansehen. PETA Latino Senior Manager Alicia Aguayo hat jedenfalls genug gesehen: „Einen so schrecklichen Blutsport wie den Hahnenkampf in ein Videospiel-Match im Mortal-Kombat-Stil zu verwandeln, ist weit entfernt von wirklicher Innovation. Die heutige moderne Gesellschaft lehnt es ab, Tiere zum Kampf bis zum Tod zu zwingen.“

      Sie erinnert in dem Statement außerdem daran, dass die Tiere in diesen Kämpfen zusätzlich mit scharfen Sporen ausgestattet werden und man fordert, das Minispiel zu ersetzen. In einer Ansprache bei Twitter geht PETA sogar noch ein bisschen weiter und erhebt auch den Vorwurf, die Sache sei „rassistisch und speziesistisch“.

      Der Hahnenkampf in Far Cry 6 ist sicher eine der weniger lustigen, weil durchaus berechtigten Kritiken der PETA. Nicht ohne Grund kommt diese Kritik nur mit einem ziemlich straffen Statement daher und nicht mit Parodien, wie einige der folgenden Beispiele.

      Kühe melken in 1-2-Switch

      Das doch eher mittelmäßige Mehrspieler-Game 1-2-Switch erschien zur Veröffentlichung der Hybrid-Konsole von Nintendo und sollte einerseits Spaß bringen, andererseits die vielen Funktionen der Konsole abbilden. Die Spielesammlung kam weder bei Fans noch bei Kritikern besonders gut an. Bei Nintendo dürfte man sich über die absurde PETA-Kritik zu 1-2-Switch also gefreut haben. Denn so war das Spiel noch einmal in den Schlagzeilen.

      So viel Spaß macht Melken eigentlich nicht – für die Kühe gleich gar nicht! (Bildmaterial: Nintendo)

      Das Minispiel rund um das Wettmelken trieb der PETA scheinbar die Zornesröte ins Gesicht. In dem Minispiel muss man die Joy-Con so bewegen, als würde man die virtuellen Zitzen einer Kuh melken. Die PETA schickte einen offenen Brief an Nintendo, den man auch bei Facebook veröffentlichte.

      Kritisiert wurde Nintendo vor allem für das wenig realistische Melken im Spiel. Das spaßige und harmlose Melken täusche nämlich darüber hinweg, dass rund um die Milch eine Industrie entstanden ist, die Kuhmütter von ihren Babys trennt.

      Die Kommentarspalten waren empört. Bei PETA Deutschland nahm man das gelassen. Es werde dadurch deutlich, „dass zu viele Menschen noch nicht wissen, wie sehr Kühe für Milch missbraucht werden und sie in der Landwirtschaft nur Milch geben, weil sie von Bauern zwangsweise künstlich befruchtet werden“, so PETA Deutschland im Nachgang gegenüber dem SPIEGEL.

      Der Tanuki-Anzug in Super Mario 3D World

      Im Gegensatz zu 1-2-Switch war Super Mario 3D World sicherlich ein Spiel, das eine zusätzliche Presse kaum benötigt hat. Es erzielte allein durch Super Mario und dadurch, dass es einfach ziemlich gut war, genügend Aufmerksamkeit. Grund genug für die PETA, sich daran zu laben?

      Frauen in Tanuki-Pelz: Nicht lustig. (Bildmaterial: Super Mario 3D World)

      Man wählte jedenfalls den Tanuki-Anzug für eine tierschutzrechtliche Kritik am Spiel aus. Man fuhr eine regelrechte Anti-Mario-Kampagne. Denn dass der Klempner die harmlosen wie niedlichen Tanuki häutet und sich deren virtuelles Fell überstreift, das geht wirklich gar nicht. Nintendo würde damit falsche Signale senden.

      Die Kampagne gipfelte sogar in einem sehr blutigen und gewalttätigen Minispiel namens „Mario kills Tanooki“, das man auf der Website der PETA im Browser spielen kann. Ihr rennt darin als gehäuteter Tanuki Mario hinterher und sinnt nach Rache.

      Diesmal brachte man sich also nicht nur ins Gespräch, sondern die Leser sogar direkt als Besucher auf die PETA-Website. Das Minispiel von 2011 ist noch heute verfügbar! Eine iOS- und Android-Version gibt es aber leider nicht.

      PETA vs. Pokémon

      Ein Kampf, den die PETA nicht gewinnen kann! Aber in Sachen Pokémon war es der PETA wichtig, endlich mal ein Zeichen zu setzen. Das Franchise würde „ein rosiges Bild“ zeichnen, das auf „verschleierten Missbrauch hinausläuft“.

      Tiere in Pokébällen festhalten? Keine gute Idee, findet die PETA. (Bildmaterial: Pokémon Schwert)

      Massenhaft dann wohl, denn bekanntlich gibt es Hunderte Pokémon und die wenigsten dürfen auf Ashs Schulter reisen. Stattdessen werden sie wie Zirkuselefanten nur aus ihren Käfigen geholt, wenn sie Tricks vollführen sollen. Die vernichtende Beurteilung der PETA:

      Ähnlich wie Tiere in der realen Welt werden Pokémon wie gefühllose Objekte behandelt und für Dinge wie menschliche Unterhaltung und als Subjekte in Experimenten genutzt. Die Art, wie Pokémon in Pokébälle gestopft werden, ist ähnlich dessen, wie Zirkusse Elefanten in Wagons anketten und sie nur herauslassen, um verwirrende und oft schmerzliche Tricks aufzuführen, die ihnen mit Elektroschocks beigebracht wurden… wenn es PETA in Einall geben würde, wäre unser Motto: Pokémon dürfen nicht misshandelt werden. Wir glauben, dass dies die Nachricht ist, die an Kinder weitergegeben werden sollte.

      Auf Einall bezieht man sich deshalb, weil die PETA-Kritik mit der Veröffentlichung von Pokémon Schwarze Edition und Weiße Edition für Nintendo DS im Jahre 2010 zusammenfiel. Auch damals widmete man sich mit einem eigenen Browser-Spiel der Thematik. Diese Ehre wird offenbar nur den ganz großen Videospiel-Franchises zuteil!

      In „Pokémon Black and Blue“, ebenfalls noch heute spielbar auf der PETA-Website, kämpft Pikachu mit seinen Freunden gegen die grausamen Pokémon-Trainer um seine Freiheit. Und dann wird es doch noch sehr ernst.

      Öffnet man in diesem Spiel nämlich Truhen, bekommt man Videos tatsächlicher Tierquälerei zu sehen. Das macht nachdenklich, und es ist diesmal eine der wirklich eindringlichen Botschaften der PETA, auch wenn sie tief in der Kampagne schlummert. Die Kritik erneuerte die PETA noch einmal 2016, damals reitend auf der großen Hype-Welle, welche Pokémon GO verursachte.

      Walfang in Assassin’s Creed IV: Black Flag

      Auf den ersten Blick hat sich die PETA diesmal eine nachvollziehbare und weniger absurde Thematik ausgesucht. Diesmal geht es nicht um Kühe mit Joy-Cons melken, Super Mario oder Pokémon, sondern um den Walfang in einem weniger abstrakten Spiel wie Assassin’s Creed.

      „Bei Ubisoft gibt es so viele kreative Köpfe, die mit der Assassin’s-Creed-Reihe beschäftigt sind. Und wir finden es einfach enttäuschend, dass sie glauben, den Walfang glorifizieren zu müssen“, erklärte Matt Bruce von der PETA einst gegenüber der Website Polygon. „Die PETA will Videospielfirmen dazu anhalten, Spiele zu entwickeln, die Tiere feiern, nicht Spiele, in denen man sie jagt und tötet.“

      Belohnung für Walfang – die falsche Entscheidung. (Bildmaterial: Ubisoft)

      Spieler würden es im Spiel als „Leistung empfinden“, einen Wal getötet zu haben. Anders sähe es laut PETA aus, wenn das Spiel wenigstens die Grausamkeit und den Horror darstellen würde, den die Wale bei ihrer Flucht erleben.

      Ubisoft wollte das natürlich nicht so stehen lassen. In der Zeit, in der Assassin’s Creed IV spielt, war Walfang eine gängige Praxis. Die Tiere wurden damals wegen dem Fleisch, aber auch ihrem Öl gejagt. Doch der historische Kontext ändert nichts an den Einwänden der PETA, erklärt Bruce.

      „Geschichte ist unser Spielplatz in Assassin’s Creed“, ergänzte Ubisofts PR-Manager Stone Chin einst gegenüber Polygon. „Assassin’s Creed IV: Black Flag ist eine fiktive Arbeit, die die wahren Ereignisse während der goldenen Ära der Piraten darstellt. Wir dulden den illegalen Walfang nicht, genauso wenig wie wir das Piratenleben voller schlechter Hygiene, Plünderung, Entführung von Schiffen und alkoholischen Ausschweifungen gutheißen.“

      Die PETA hingegen empfahl seinerzeit Ubisoft, den Walfang einfach aus dem Spiel zu entfernen. Es würde das Spielerlebnis nicht schmälern. „Es würde [dem Spiel] nichts wegnehmen, wenn der Walfang nicht Teil des Spiels wäre, aber stattdessen bestehen sie darauf, es drinzulassen. Leider glorifizieren sie damit etwas, das heute noch genauso grausam und blutig ist, wie es vor 300 Jahren war.“

      Animal Crossing: New Horizons, aber vegan

      Walfang ist wirklich ein ernstes Thema. Etwas lustiger wird es hingegen wieder mit Animal Crossing. Hier wollte die PETA spürbar auch von der Aufmerksamkeit profitieren, welche der unglaublich populäre Switch-Ableger Animal Crossing: New Horizons generierte.

      In einem Vegan-Guide zum Spiel möchte die Tierschutzorganisation ethische Fragen beantworten, welche das Spiel aufwirft. Ist fischen vegan? Können Muscheln Schmerzen fühlen? Darf man Käfer fangen? Am Ende soll ein möglichst veganer Spielstil herausspringen.

      Animal Crossing ja, aber bitte möglichst vegan. (Bildmaterial: Nintendo)

      Ein bisschen ernst wurde es dann aber auch noch. Zumindest für einen Ingame-Charakter. Mit einer virtuellen Demo hat die PETA das Museum von Eugen gekapert. Denn Fische ihrem natürlich Lebensraum zu entziehen soll natürlich nicht „unterhaltsam“ sein. Das Tiktok-Video war es. 3,1 Millionen Aufrufe dafür gab es allein bei Twitter.

      Niemand mag Ratten, aber…

      2011 unternahm der deutsche Ableger der PETA einen nationalen Alleingang. Natürlich berichtete aber auch die internationale Presse. Es ging um eine ganz spezielle Szene in der dritten Mission der Kampagne in Battlefield 3, in der der Spieler durch ein enges Loch krabbelt und plötzlich eine Ratte vor sich sieht.

      Auf Knopfdruck jagt der Spieler dieser Ratte das Messer in den Rücken. Anschließend hebt er sie am Schwanz hoch und wirft sie zur Seite. Das ist ganz schön eklig, vor allem aber Tierquälerei, findet die PETA. Und spannt den Bogen noch weiter. Denn von der Tierquälerei zur Gewalt am Menschen sei es dann auch nicht mehr weit.

      Battlefield ist grundsätzlich nicht bekannt dafür, besonders gewaltfrei zu sein. (Bildmaterial: EA)

      Zugegeben, die meisten Menschen würden eine Ratte nicht mal töten wollen, wenn sie könnten. Doch das virtuelle Töten von Tieren habe grundsätzlich „verrohende Wirkung“ auf die „junge männliche Zielgruppe“, heißt es damals von der PETA. Die sadistische Art und Weise, wie dies in Battlefield 3 geschieht, findet die PETA dabei wohl besonders problematisch.

      Damals bat PETA deshalb Publisher Electronic Arts, aber auch andere Hersteller, derartige Szenen nicht mehr in Videospielen unterzubringen. Schon 2009 ging die PETA übrigens auch gegen Call of Duty: World at War vor, in dem Hunde getötet wurden. Die PETA schickte Activision dabei eine Box voll Nintendogs-Spielen.

      Auch Final Fantasy bekam seinen Fisch weg

      In die illustre Runde der großen Marken, welche sich die PETA vornahm, durfte sich 2016 auch Final Fantasy einreihen. Die PETA kritisierte konkret das Angelspiel in Final Fantasy XV. Eine echte Auszeichnung, gewissermaßen. Denn Angelspiele gibt es bekanntlich in jedem x-beliebigen JRPG.

      Treffen sich zum Angeln: Noctis und Co. (Bildmaterial: Square Enix)

      Square Enix Deutschland wurde in einem Brief aufgefordert, nicht mehr länger Spiele zu vermarkten, die „das Jagen und Töten von Tieren banalisieren“. „Angeln bedeutet, Fische in eine Falle zu locken und sie minuten- bis stundenlang einem qualvollen Todeskampf auszusetzen, bevor sie schließlich erschlagen oder lebendig aufgeschnitten werden oder gar langsam und qualvoll ersticken“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin sowie Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA damals.

      Es sei „ein Armutszeugnis für jedes Spiel, das Angeln zu glorifizieren“, heißt es weiter. Es dürfte wie Hohn für die PETA gewesen sein, als Square Enix 2017 auch noch Monster of the Deep: Final Fantasy XV veröffentlichte. Das VR-Erlebnis basiert auf dem Angelspiel aus Final Fantasy XV.

      Die Kritik der PETA stößt bis heute kaum auf Gegenliebe. Eine Liste der JRPGs, in denen man Angeln kann, würde wohl weitaus mehr Einträge umfassen als der hier vorliegende Artikel. Aber wer weiß, vielleicht holt die PETA auch noch auf. Der nächste Eintrag folgt bestimmt.

      Artikelbild: 1-2-Switch, Nintendo