Vom Gendern überfordert?

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    • Vom Gendern überfordert?

      Ich sehe es mit etwas Galgenhumor. Man kann mir vielleicht Plastikstrohhalme nehmen und gegen eklige Papierstrohhalme ersetzen, aber meine Sprache kann mir niemand nehmen. Ich hatte mir, bis vor kurzem, gar keine Gedanken über dieses Thema gemacht und ich vermute bei vielen war das bis vor der Bundestagswahl auch gar nicht so ein riesiges Thema. Der Spiegel berichtete nach dem ersten Triell, die wichtigsten Themen des Abends waren Plastikstrohhalme und geschlechtsgerechte Sprache (auf einen Wink zu Baerbock, die das ganz gut drauf hat mit dem gendern). Erst gestern las ich einen Artikel der Zeit, wo es mehr oder weniger hieß, die Tagesschau würde sich in den Wahnsinn gendern.

      Aber auch da habe ich mir eigentlich noch nichts gedacht, bis ich heute eine Direktnachricht von einer Nutzerin auf Twitter erhalten habe, die eine stille Leserin meines Blogs ist (den ich seit 2011 führe). Sie fragte mich, ob ich plane, geschlechtsgerechte Anreden zu benutzen, allen voran das "Gendersternchen". Und ich musste kurz überlegen, was ich da antworten soll. Ich antwortete ihr, dass ich seit über 10 Jahren auf meinem Blog Leser und Leserinnen separat nenne, ich aber nicht vorhabe, das Gendersternchen zu benutzen. Dass ich das etwas Gaga finde, habe ich ihr natürlich nicht gesagt aber ich habe ihr mitgeteilt, dass ich meine deutsche Sprache habe und mir hier nicht etwas neues aneignen möchte und wer meinen Blog wirklich gerne liest, bescheid weiß, dass ich bei meinen Anreden immer so offen wie möglich bin.

      Was ich aber halt nicht tun werde ist nur noch so zu schreiben: "Liebe Leser*Innen, Verehrte Liebhaber*Innen von Büchern und Filmen". Ich möchte, schlicht und ergreifend weder so schreiben noch möchte ich dauerhaft mit so einer minimal künstlichen Pause reden, so, wie es Baerbock zum Beispiel tut und sicherlich auch viele andere. Ich denke mir einfach, die deutsche Sprache ist kompliziert genug und das Gendersternchen löst sicherlich auch keine unlösbaren Probleme der deutschen Sprache, wie zum Beispiel keine geschlechtsneutralen Anreden zu haben wie es in der englischen Sprache der Fall ist (Them/They). Zumal es auch Wörter beim Gendersternchen gibt, wo ich irgendwie die männliche Anrede vermisse wie bei "Expert*Innen". Bin ich fortan ein Expert wenn ich als Mann in etwas gut bin? Hier gibt es noch so viele Lücken und ganz ehrlich, ich fühle mich mit fast 35 einfach zu alt, mir jetzt noch neue Anreden zu überlegen. Ich wüsste nicht einmal, wie ich im deutschen eine Non Binary Person anreden sollte, also muss ich hier bereits etwas kreativer werden.

      "Jeder soll so reden, wie er möchte". Hieß es beim ersten Triell von allen 3 Kandidaten. Ist das aber echt so? Es heißt auch, die COVID-19 Schutzimpfung sei freiwillig und wir wissen alle, dass das nicht wirklich der Fall ist. Lässt du dich nicht impfen, aus welchen Gründen auch immer, musst du fortan mit Sanktionen rechnen oder anderen Mali. Wenn dein Chef in seiner Firmenpolitik eine geschlechterspezifische Sprache einbaut, hast du dich deinem Chef zu fügen, ob du das möchtest oder nicht.

      Deutlich einfacher werden es die Kinder haben, die natürlich damit groß werden. Ich denke, es ist auch wichtig, Kindern so etwas beizubringen. Meine einzige Sorge ist halt, dass sich unsere Sprache bald zu einer Gaga-Sprache entwickeln wird wo wir uns bei den ganzen verschiedenen Anreden irgendwann nur noch verhaspeln. Es ist ein heikles Thema, ich hoffe, es kann zivilisiert darüber diskutiert werden. Ich möchte nur noch einmal erwähnen: Niemand muss sich für irgendwen in seiner Freizeit verbiegen. Wer gerne weiterhin so reden möchte wie immer, hat jedes Recht dazu. Wer gerne gendern möchte und auch das Gendersternchen benutzen möchte, der hat auch dazu jedes Recht. Ich sehe nur immer wieder Diskussionen, besonders auf Twitter, wo es in andere Richtungen geht.

      Mich interessiert dennoch, wie das hier einige im Forum sehen. Ist denke ich mal ganz spannend, da verschiedene Sichtweisen zu sammeln.
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    • Ich sehe das so, jeder der Gendern will soll dies tun und wer nicht halt nicht. Ich finde eine zwanghafte Umstellung der Sprache auch nicht gut und wenn sich die meisten für das Gendern entscheiden wird die Sprache sich in den nächsten Jahrzehnten schon natürlich entwickeln (so wie es meiner Meinung nach sein sollte). Wichtig dabei ist mir aber, dass keine Party dafür beschimpft wird das sie es tut bzw. nicht tut, was ja leider aktuell nicht so der Fall ist.

      Somnium schrieb:

      "Jeder soll so reden, wie er möchte". Hieß es beim ersten Triell von allen 3 Kandidaten. Ist das aber echt so? Es heißt auch, die COVID-19 Schutzimpfung sei freiwillig und wir wissen alle, dass das nicht wirklich der Fall ist. Lässt du dich nicht impfen, aus welchen Gründen auch immer, musst du fortan mit Sanktionen rechnen oder anderen Mali. Wenn dein Chef in seiner Firmenpolitik eine geschlechterspezifische Sprache einbaut, hast du dich deinem Chef zu fügen, ob du das möchtest oder nicht.
      Ich finde das schon ein großen unterschied zwischen Gendern und impfen und denke deswegen nicht das es annähernd zu der gleichen Situation kommt. Ich denke jedenfalls das man für das normale Leben nicht befürchten muss zum gendern gezwungen zu werden. Das einzige was kommen könnte ist eine Pflicht für bestimmte Berufsgruppen wie Beamte oder Studenten. Auch wenn ich den zwang dort auch Kritisch sehen würde ist es dort meiner Meinung nach nochmal anders anzusehen als bei normalen Bürgern.
    • Ich sehe da absolut kein Problem und ich muss zugeben das ich es weird finde wie unglaublich wichtig einigen auf einmal die deutsche Sprache ist und wie extrem sich einige darüber ärgern, das bezieht sich nicht auf dich. Du willst sie ja nur nicht verwenden, was ok ist. Aber der Untergang der deutschen Sprache wie es die AFD wahrscheinlich bezeichnen würde ist albern und überspitzt. Auch wenn das mal im Duden landet ist niemand verpflichtet so zu schreiben. Die einzigen die sowas vllt tun müssen sind Redakteure usw.

      Als Option finde ich gendergerechtes Schreiben aber vollkommen ok, hab mich längst daran gewöhnt. Das fällt einem beim lesen ja gar nicht mehr auf, eventuell wenn man ein sehr langsamer und genauer Leser ist. Wers nicht tun will, auch ok.

      Macht euch nicht immer so einen Kopf um sowas, schreibt wie ihr wollt, ich bezweifle das euch hier jemand anfauchen würde das ihr bitte gendergerecht schreiben sollt. Im Gegenteil, ich habe schon mehrfach provokante Kommentare in News gelesen wo einige User angepisst waren weil man auf jpgames Gendersternchen genutzt hat.


      Finde den Vergleich mit dem impfen auch unpassend, das ist eine ganz andere Situation, über die ich hier im Forum aber lieber nix mehr schreibe, gibt ja dann doch überraschend viele Impfgegner hier. ^^

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    • Aruka schrieb:

      Macht euch nicht immer so einen Kopf um sowas, schreibt wie ihr wollt, ich bezweifle das euch hier jemand anfauchen würde das ihr bitte gendergerecht schreiben sollt. Im Gegenteil, ich habe schon mehrfach provokante Kommentare in News gelesen wo einige User angepisst waren weil man auf jpgames Gendersternchen genutzt hat.
      Ich meine mich zu erinnern mal gelesen zu haben, das in Kassel an den Universitäten teilweise wohl doch vorgeschrieben wird in den Prüfungen gendergerecht zu schreiben und das es Punktabzug bei Nichteinhaltung gäbe. Muss mal schauen ob ich dazu noch etwas finde. Generell interessiert mich das Thema aber eigentlich nicht mehr. Wenn ich es nicht machen muss, mach ich es nicht. Die Diskussion hat für mich die Tragweite wie damals die Geschichte mit ss und ß, ich mag immernoch das ß nutzen, aber das Thema überlaß ich anderen. xD
    • Nach googeln, das war ein einzelner Dozent. Find jetzt auch nix zum Thema, so im Fach Genderstudie wärs vielleicht logisch gewesen ka.^^
      Aber wie du schon sagst, das Thema ist genauso unwichtig wie ss und ß. Es passt nur einigen denen es essenziell wichtig ist als Thema recht gut um sich moralisch überlegen zu fühlen, und für andere ist es ein weiteres Ventil um online darüber zu ranten das wir zu progressiv sind und “Sjws” unsere Brunnen vergiften oder so. Pub sogar mit Gänsefüßchen fühlt es sich weird an 2021 noch unironisch das Wort SJW zu nutzen. XD

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Aruka ()

    • Der Vergleich mit der Schutzimpfung mag jetzt etwas weiter ausgeholt klingen (von mir auch etwas beabsichtigt), aber im Grunde genommen ist es nicht viel anders. Man kann da auch noch deutlich weiter ausholen. In Deutschland werden die Medien Filme, Literatur und Musik als Kunst anerkannt. Besonders die Behörden FSK und BPjM klammern sich da vehement an Grundgesetze und ihrer Philosophie, in Deutschland herrsche künstlerische Freiheit und es gäbe keine Zensur. Das ist natürlich altkluge deutsche Bürokratie. Die Behörden zensieren selbst nicht, dennoch musst du dich als Herausgeber den Behörden beugen die dich mit strikten Auflagen zu einer Zensur deines Produktes möglicherweise zwingen, weil dir sonst, außer es hier gar nicht zu veröffentlichen, nichts anderes übrig bleibt. Freiwillig und kein Zwang bedeutet immer noch nicht, dass du nicht doch noch irgendeinen Nachteil hast. Man braucht sich ja nur ansehen, was auf ungeimpfte da auch finanziell bei Krankheit noch auf die zukommen könnten. Die Sache mit dem Gendern ist natürlich nun längst nicht so dramatisch. Aber auch hier gilt, was dein Arbeitgeber dir vorschreibt hast du einzuhalten, auch wenn du von den Gender-Ansprachen nichts hältst. Die Sache von der @Fayt spricht, habe ich sogar auch schon gehört. Weiß nur nicht, ob es wirklich die Uni in Kassel war. Ob etwas freiwillig oder tatsächlich freiwillig ist, sind eigentlich zwei verschiedene Paar Schuhe. Die Politiker sagen, redet doch so wie ihr wollt. Ist das also dein Freifahrtschein dafür, dass du dich deinem Vorgesetzten beim Job in der Versicherung oder beim Amt widersetzen darfst, auf das Gendersternchen beispielsweise zu verzichten? Natürlich nicht, wenn du dich dagegen auflehnst wirst du vermutlich ne Abmahnung bekommen. Das sind natürlich Extrembeispiele, aber nur so als Beispiel, dass zumindest "Redet, wie ihr wollt" zumindest im Berufsleben sicherlich nicht mehr gilt.

      Was da nun irgendwelche Clowns wie Tino Chrupalla von der AfD so sagen, die deutsche Sprache müsse wieder mehr geehrt werden oder Kinder müssen wieder mehrere klassische deutsche Gedichte oder Lieder lernen, dann von einem Kind interviewt wird und ihm selbst nicht einmal ein Gedicht oder Lied einfällt, interessiert doch echt keinen Menschen was die für hohle Ergüsse von sich lassen. Mir liegt an der deutschen Sprache enorm viel und das Thema spreche ich jetzt sicherlich nicht an, weil es gerade im Trend auf Twitter ist oder ich gerne lästern möchte. Ich verdrehe seit Jahren meine Augen sobald es um Anglizismen geht oder irgendwelche sinnlosen Abkürzungen irgendwo eingebaut werden. Deutschland möchte sich vom Beamten-Deutsch distanzieren, finde ich gut. Mir ist es dementsprechend ein Bedürfnis darüber zu reden, es ist immerhin meine Muttersprache und die Sprache ist einfach, selbst für Muttersprachler, schon kompliziert genug. Daher sehe ich es einfach kritisch, wenn man bald nicht mehr weiß, wie man wen anreden soll. Gerade ne Pressemitteilung von nem Verlag bekommen: "Kolleg*Innen". Auch hier habe ich Schwierigkeiten, die männliche Anrede direkt zu entdecken.

      Von Impfgegnern hier im Forum weiß ich nun nichts. Falls das auf die Debatte gestern bezogen ist, da habe ich ja sogar schon erwähnt, dass es bei mir noch gesundheitliche Abklärung bedarf. Jeder, der gesundheitliche Bedenken hat bezüglich der Impfung, ist ja nicht automatisch ein Querdenker oder Impfgegner (oder beides). Wobei, ich glaube Chase hatte das geschrieben, da wird ja auch glaube ich kaum noch unterschieden von der Gesellschaft. Das ist ja bei den Arbeitssuchenden schon ewig so. Es wird von der breiten Masse nicht unterschieden ob du arbeitsunfähig oder einfach ein faules Subjekt bist, der keinen Sinn darin sieht, auch nur einen Finger krumm zu machen. Du bist arbeitslos, Sammelbegriff, erst die Bescheinigung als Frührentner gibt dir hier wieder etwas sozialen Status zurück. Aber das ist dann wirklich ein anderes Thema.


      Fayt schrieb:

      Die Diskussion hat für mich die Tragweite wie damals die Geschichte mit ss und ß, ich mag immernoch das ß nutzen, aber das Thema überlaß ich anderen. xD

      Das ist ein schönes Schlusszitat, wo ich sehr gerne noch unterschreiben würde :D
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Somnium ()

    • Ja, gendern oder nicht. Ehrlich gesagt switche ich da hin und her - je nach Tageslage. Bietet sich schon deswegen an, weil ich von Haus aus gern mit Sprache spiele.
      Die ganze Debatte darum geht weitgehend an mir vorbei. Ist (wie die meisten identitätspolitischen Debatten) nicht mein Krieg.
      Ich versuche Menschen im Gespräch so wertschätzend wie möglich zu behandeln und nicht bewusst bloßzustellen. Ist Teil meines Charakters, weil Spott auf mich keinerlei Faszination ausübt (weshalb ich beispielsweise nicht die BILD-Zeitung lese und auch nie Trash-Dokus/-Talkshows mochte). Das war schon immer so und da brauche ich keine politische Agenda als Gehhilfe.
      Man muss einem Maulwurf schließlich auch nicht erklären, wie er ein Erdloch buddeln soll.
      Meine erste Kita-Freundschaft war ein Mädchen und mein erster Schulfreund eine Person of Color (Sohn eines mosambikanischen Einwanderers und einer weißen "Geburtsdeutschen") - hat sich beides einfach aus der Situation heraus ergeben. Hab' mich da nie um irgendwelche Details geschert. Hatte eh nie wirklich Zeit für Begriffsstutzigkeiten. Das Leben ist zu kurz.
      "In me there's a flower - ever blooming
      Somewhere there's a fire - all consuming"
      (M.o.t.I)

      Dieser Beitrag wurde bereits 6 mal editiert, zuletzt von Kelesis ()

    • Somnium schrieb:

      Falls das auf die Debatte gestern bezogen ist, da habe ich ja sogar schon erwähnt, dass es bei mir noch gesundheitliche Abklärung bedarf.
      Habe ich nicht einmal mitbekommen. Nee, ging um 1-2 News hier im Forum wo mehrere User mit wilden Theorien um sich geschmissen habe, beispielsweise die ganze Bill Gates Verschwörung. Das war schon recht klar Querdenker-Jargon.

      Das es Leute gibt die einfach nur Angst und Bedenken vor der Impfung haben kann ich noch irgendwo nachvollziehen, solange man das nicht mit Verschwörungstheorien mischt ist das legitim, auch wenn ich mich freuen würde wenn innerhalb des nächsten Jahres sich diese Angst bei einigen legt.
      Offtopic, wollte das aber aufklären, das war echt kein Seitenhieb gegen dich.

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    • Schwieriges und in letzter Zeit auch ein zunehmend sehr emotional behaftetes Thema. Ich persönlich bin nicht gegen das Gendern per se, aber habe zugegeben meine Probleme mit dem Gendersternchen und vergleichbaren sprachlichen Verrenkungen wie wohl ein Großteil meines Umfeldes auch. Dazu sei gesagt, dass ich deutsche Philologie studiert habe und inzwischen an der Universität als Literaturwissenschaftlerin arbeite, mich also entsprechend tagtäglich mit Fragen der Sprache auseinandersetze. Wie Somnium im Eingangspost bereits festgestellt hat, entbehren die Gendersternchen bei den meisten Nomen (z.B. "Kolleg*innen) jeder Logik und ja, nach vielen Linguistik-Seminaren und Wortgruppenanalysen nehme ich diese genderneutralen Alternativen schon als sehr unansehnlich wahr. Ich persönlich verwende aus diesem Grund ausschließlich die lange Variante (also z.B. "Liebe Studentinnen und Studenten"); das ist für mich ein akzeptabler Kompromiss, auch wenn es - klar - sicherlich nervt, wenn man z.B. in einem Aufsatz 10 Mal "die Rezipientinnen und Rezipienten des Romans" liest.

      Ob oder wie streng das "Nicht-Gendern" jeweils sanktioniert wird, hängt sicherlich sehr stark am sozialen Umfeld bzw. an der Berufsgruppe. In einer Mail an Studierende (übrigens auch das eine zunehmend beliebte Alternative, um dem Gendern aus dem Weg zu gehen) wäre ein "Liebe Studenten" schon mehr als ein kleiner Fauxpas; wenn sich da jemand bei höherer Instanz beschwert, gäbe es sicherlich einen ordentlichen Rüffel. Ich persönlich habe noch nichts dergleichen erlebt und zumindest in meinem Umfeld auch nichts Vergleichbares mitbekommen, aber man ist hier schon vorsichtig und sich der Gefahr bewusst. Ich erwarte auch, dass sich das in den nächsten Jahren weiter verschärfen wird und möglicherweise auch auf andere Bereiche des privaten und öffentlichen Lebens übergreifen wird.

      Grundsätzlich finde ich es schwer, das Gendern zu "bewerten", denn klar: Ich möchte natürlich nicht, dass sich jemand aktiv diskriminiert fühlt. Andererseits gehöre ich nicht zu den Frauen, die sich bei "liebe Leser" oder "liebe Zuhörer" nicht angesprochen fühlen und kann die Emotionalität des Themas dementsprechend nur schwer nachvollziehen.
    • Ich Gender gar nix. Das hört sich auch immer merkwürdig an. Im Radio nervt das auch nur noch. Auch nenne ich bestimmte Lebensmittel und Gerichte so wie schon immer. Wer will, bitte, solls machen, soll mir mit sowas aber nicht auf den Zeiger gehen. Überhaupt was auch andere Dinge angeht in den letzten Monaten was damit zu tun hat nervt nur noch. Auch nen Grund warum ich bei LiS True Colors noch zöger. Hoffe das nicht bald in Spielen zu sehen.

      Hab mal so nen Bild dazu gesehen was es da noch alles gibt neben innen. Wenn das kein Joke Bild war, ja dann gute Nacht.
      Mein Blog >Hier<
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      Habe FFVII Remakes Guides und Hilfen auf ffdojo erstellt^^
    • Ich halte nichts vom Gendern. Das ist insofern witzig als das ich mir tatsächlich lange bevor das Thema in den Medien war Gedanken machte und beim Schreiben die weibliche Form betont habe, dabei aber auch ab und an auf Schwierigkeiten gestoßen bin. Es ist allerdings eine Sache, ob ich im Privaten etwas mit Sprache spiele oder aber ob ich daraus eine Ideologie mache und diese unter anderem mit Pseudowissenschaft füttere.

      Das aktuelle Gendern erinnert mich stark an Themen wie Homöopathie, Esoterik und ganz allgemein gefühlte Wahrheiten und wird besonders durch den Moralismus unfassbar unangenehm. Man framed etwas als korrekt und gerecht und impliziert damit, alles vorher und alle "anderen" wären inkorrekt und schelcht. Da kommt so ziemlich das Schlimmste zusammen und ergibt einen unangenehmen Brei.

      Meine Probleme mal zusammengefasst:

      1. Sapir-Whorf-Hypothese
      Ein, wenn nicht das Fundament des Genderns ist "Sprache formt Wirklichkeit". Eine These, die auf die Sapir-Whorf-Hypothese zurückgeht, die aber die eklatante Schwäche hat, komplett unbelegt zusein. Sie entspant als Whorf jemanden interviewte, der rudimentär die Sprache der Hopi sprach. Whorf unterlag dem Missverständnis, dass dieses Volk geistig nicht zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unterschied, weil die Verben in Hopi keine Zeitformen haben. Whorf könnte sich bewusst gewesen sein, dass seine Forschung auf tönernden Füßen steht, weil er sie nie veröffentlicht hat. Hätte er das getan, wäre wohl schon zu lebzeiten die Kritik groß gewesen. Ein Interview, nicht ein Mal mit einem Muttersprachler ist halt nicht genug und jeder andere Sprachwissenschaftler hätte wohl in Windeseile gekontert, dass die Hopi sehr wohl Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auseinanderhalten können und sie das sprachlich nur eben nicht durch die Deklination von Verben ausdrücken.

      2. Geschlechtsneutrale Sprachen haben keinen Einfluß auf die soziale Gerechtigkeit
      Turksprachen zum Beispiel sind Sprachen, die anders als Deutsch geschlechtsneutral sind also quasi der feuchte Traum von Genderfreunden. Dummerweise sind diese Kulturen aber deutlich patriarchaler und das bis heute. Es gibt keinen Beleg, dass eine Änderung der Sprache dazu führen würde, dass es irgendjemanden besser ginge oder sich die Gesellschaft zum Positiven verändern würde. Tatsächlich hat man die Gleichberechtigung längst erreicht und das ganz ohne Sprachveränderung.

      3.1 Widersprüche
      Es wird mit Sichtbarkeit argumentiert, damit dass man gendert um Frauen nicht mehr nur mitzumeinen, sondern direkt anzusprechen. Gendersprache spricht Frauen aber gar nicht an und soll es im Grunde ja auch nicht, die Sprache soll ja neutral sein.
      Frauen sind auch nicht das Gegenteil von Außen, die Betonung der weiblichen Form liegt auf dem Buchstaben vor dem "i", nicht dem i.

      3.2 Betonung auf Unterschiede
      Gendern sorgt dafür, ständig das Geschlecht betont wird. Es sorgt nicht dafür, dass das Geschlecht egal ist, sondern liegt einen übermäßigen Wert auf seine Erwähnung. Es tut das Gegenteil von dem, was es angeblich soll. In anderen Kulturen geht man genau davon weg. Das Frauen bezeichnende "ova" im familiennamen in Tschechien kann abgelegt werden. Die weibliche Form im Englischsprachigen wie bei Actress wird zunehmend abgelehnt und actor verwendet.

      3.3 Nichtbinäre wurden nie gefragt oder sonst jemand
      Man etabliert ein Zeichen für Menschen (und dann auch noch einen Stern), was an und für sich schon Geschmäckle hat aber diese Menschen wurden nicht ein Mal befragt. Es stellt sich allgemein schon die Frage, warum man Menschen ständig erwähnen sollte, welche einen marginalen Teil an der Bevölkerung stellen und daher für gewöhnlich nicht ein Mal die Anrede wahrnehmen könnten, schließlich kommt man ja auch nicht auf die Idee, die Sprache noch um andere Gruppen zu ergänzen, nach Religion, Hautfarbe oder Haarfarbe. Aber obendrein nicht ein Mal daran zu denken, überhaupt herauszufinden ob das überhaupt gewünscht ist, ist an Ignoranz und Überheblichkeit nicht zu überbieten. Man unterstellt einer Minderheit Wünsche und Interessen, ohne dass sie selbige selber ausgedrückt hätten. Und dann unterstellt man, das wäre gerecht.

      3.4 Die Aussprache führt dazu, dass eben jener Stern, der an sich schon kein Wort ist, nicht mal mehr als Pause erscheint, er also wegfällt, was unter Umständen dann zu einem generischen Femininum führt.

      4. Grundlegend falsches Verständnis oder gar kein Verständnis von Sprache
      Mittlerweile sehe ich wie alles mögliche gegendert wird. Es gibt keine Freunde mehr. Es gibt nur noch Freund*innen. Das ist etwas was ich mit am erschreckensten finde. Mir ist nie in den Sinn gekommen, dass Freunde männlich wäre. Was es ja auch nicht ist aber neuerdings gibt es diesen Plural nicht mehr. Die ganze Konstruktion wird absurd. Der erste Teil soll vermeintlich der "männliche" sein. Doch Ärzt, Expert, Kolleg, Patient und Co. sind nicht der Plural von Arzt, Experte, Kollege oder Patient.

      5. Keine Unterstützung von irgendeiner Seite
      Weder Sprachwissenschaftler, noch die Bevölkerung oder die Wissenschaft unterstützt das Gendern. Es ist daher nicht mehr als eine Pseudowissenschaft und sollte daher allem was öffentliche Gelder erhält untersagt sein. Man versucht zu argumentieren und nutzt dabei vor allem eine Studie bei der Kinder auf Basis dessen, wie Berufe vorgestellt werden, unterschiedliche Berufswünsche zeigen. Das alles ist aber nicht mehr als Pfeiffers Videospielstudie. Korrelation ist nicht Kausalität. Nur weil heute ein Mädchen ihr ganzes Zimmer in Pastellpink will, will sie ihr Auto einige Jahre später in Pink. Tatsächlich ist Pink überhaupt keine Frage beim Autokauf für Frauen. Es gibt keinen nachweislichen kausalen Zusammenhang zwischen dem geäußerten Berufswunsch während einer Studie und dem restlich verlaufenden Leben. Das zeigt sich dann auch eben im schon genannten Punkt 2.

      TL;DR:
      Gendern ist die Flat-Earth Theorie der Sprachwissenschaften.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von WolfStark ()

    • Ich hab mit dem gendern nicht so wirklich Schwierigkeiten und finde es auch in Ordnung. Aber das hat mehrere Gründe. Erstens sind Sprachen noch nie meine größte Stärke gewesen. XD Deswegen habe ich nicht den fachlichen Blick in die deutsche Sprache, wie manch anderer hier.

      Der zweite Punkt, ich bin kein gebürtiger Deutscher, also ich bin Türke und die türkische Sprache ist recht genderneutral.
      In der türkischen Sprache wird also kein sprachlicher Unterschied etwa zwischen einer Ärztin und einem Arzt gemacht, ebensowenig wie in puncto „er/sie/es” differenziert wird.
      Ein Satz wie „er/sie/es liebt ihn/sie/es” könnte in der türkischen Sprache alle denkbaren Ausprägungen annehmen, ohne dass dies sprachlich wirklich ausgedrückt wird.

      Und der dritte Punkt, ich bin im sozialen Bereich tätig, da achtet man schon länger darauf und nicht nur wegen den Wahlen.

      Aber mich stört es auch nicht, wenn es nicht gemacht wird. Solange die Leute nich gleich beleidigend und ausfallend werden, ist alles in Ordnung.

      Wie gesagt @Kelesis solche Menschen wie dich sollte es mehr geben. Tolle Einstellung, sowas ist nicht selbstverständlich :)

      Das hat jetzt nichts mit der Sprache zutun, aber irgendwie möchte ich es doch nochmal erwähnen.
      Hier im Forum haben einige ein ganz komisches Bild von Frauen, das macht mir eher sorgen.
    • Naja, auf der Arbeit machen wir es und da passt es mir gut in den Kram weil ich nun bei einigen Anfragen nicht mehr überlegen muss zu welchem Geschlecht der Name passen könnte ^^

      Persönlich rede ich halt weiter wie bisher, ich publiziere auch nichts privat bei dem ich auf die Ansprache achten müsste.
      Ich finde es durchaus ok, wenn Leute oder Firmen sich dazu entschließen.

      Putzig finde ich Leute die sich übers gendern aufregen, weil dadurch die deutsche Sprache, das zivilisierte westliche Abendland und überhaupt das ganze Universum untergehen würde.

      Würde man einer Person von vor 500 Jahren die aktuelle deutsche Sprache zeigen würde die wohl auch schreiend umfallen. Sprache ändert sich eben.
    • Sehr tolles Thema, habe jeden Post sorgsam gelesen. Interessante Meinungen werden hier geschrieben.

      Persönlich halte ich mich aus der Sache raus und rede so wie es mir passt. Wenn ich jemanden anspreche und dabei korrigiert werde, überhöre ich das gewollt gerne um den Fluss des Gesprächs nicht zu unterbrechen. Es gibt nichts lästigeres als von einer Person korrigiert zu werden, da man dabei das Wesentliche nicht mitbekommt. Dein Gegenüber versteift sich zu sehr auf was falsch gesagt wurde und stört sich daran. Sowas kann man doch gerne am Ende eines Gesprächs nochmal deutlich machen.

      Gendern stört den Fluss erheblich finde ich. Da finde ich den letzten Satz von @Desotho sogar sehr lustig. Es reicht doch wenn wir alle eine gemeinsame Sprache sprechen und nicht wieder jeder sein eigenes Süppchen kocht. Gibt es denn nichts wichtigeres, was man mit der deutschen Sprache machen kann? Wenn ich schon von Mittelstufe-Lehrern höre, dass Kinder in der Schule schreiben sollen, wie sie es hören, da graut es mir doch ungemein. Es beherrscht keiner die Sprache weil sie so komplex ist, aber dann "muss" man gendern? Viele verstehen nicht mal den Sinn von Subjekt -> Prädikat -> Objekt. Freunde. Bitte. Geht alle nochmal in den VHS Lernkurs für "DEUTSCH" oder lernt mit euren Kindern NOCHMAL mit und dann könnt ihr sagen dass ihr gendern braucht oder nicht.

      Danke. Ich geh in meinen Garten und genieße die Sonne. Die muss ich nicht gendern. Die lächelt mich auch so an.
    • Ich meinte lediglich, dass Sprache sich ändert. Es gibt Änderungen die auf "natürliche" Art passieren, es gibt Änderungen wie die Rechtschreibreform beschlossen werden. Es gibt auch Änderungen die einfach vorgenommen werden weil die Zeiten sich ändern.

      Ich glaube beim Sprechen sind wir noch nicht soweit, dass allgemein gefordert wird zu gendern. Ich hatte das noch nie.
      Es ist glaube ich was anderes, wenn z.B. Firmen ihre Ansprachen anpassen.
    • Ich halte persönlich nicht viel vom gendern und mache es bisher auch nicht. Es könnte aber zukünftig sein, dass ich arbeitstechnisch da etwas mehr aufpassen muss.
      Zumal die Gendersternchenvarianten (z.B. "Kolleg*innen) für mich einfach auch den männlichen Teil dann wieder verstümmeln.
      Ich lese es schon ungern, aber hören mag ich es noch weniger. Da mochte ich die lange Variante z.B. "Kollegen und Kolleginnen" schon immer lieber. Ich habe mich auch als Frau bei "Kollegen" immer angesprochen gefühlt, verstehe aber, wenn das nicht für alle gilt und sich einige diskriminiert fühlen.
      Generell kann ich hier nur einigen zustimmen, dass Sprache sich "natürlich" weiterentwickeln sollte. Wird es zukünftig von den meisten gemacht, wird es sich sicher auch irgendwann "natürlicher" anfühlen. Ich selbst habe leider noch etwas meine Probleme dabei (also beim schreiben, sprachlich möchte ich es eigentlich nicht anwenden müssen, da es den Sprachfluss einfach stört), aber das ist vermutlich Gewöhnungssache.

      Kainé: Weiss you dumbass! Start making sense, you rotten book, or youre gonna be sorry! Maybe I'll rip your pages out, one-bye-one! Or maybe i'll put you in the goddamn furnace! How can someone with such a big smart brain get hypnotized like a little bitch, huh? [...] Now pull your head out of your goddamn ass and start fucking helping us!
    • Ich halte absolut gar nichts davon, sorry. Und ganz ehrlich, ich frag doch nicht jeden Menschen den ich kennenlerne, vorab erstmal nach seinem bevorzugten Pronomen...Es interessiert mich schlichtweg nicht. Es ist in erster Linie für mich ein Mensch und fertig.

      Schon schlimm genug, dass bei mir auf der Arbeit das Ganze Einzug gehalten hat. Ich arbeite für einen deutschen Automobilbauer und sämtliche werksinternen Zettel/Bekanntmachungen/Schulungen/whatever werden nur noch mit "Mitarbeiter*innen" und "Kolleg*innen" angeführt.

      Das Lustige ist ja, dass praktisch alle meiner weiblichen Kollegen das Ganze genauso unsinnig und unnötig finden wie die Männer. Ich versuche es einfach zu ignorieren und werde definitiv nicht meine Sprechweise ändern, nur weil sich irgendjemand auf den Schlips getreten fühlen könnte.

      Natürlich ist die Sprache etwas, das sich immer wieder fortlaufend verändert und anpasst. Aber das ist ein Prozess, der über Jahre und Jahrzehnte läuft. Man kann sich nicht einfach hinstellen wie ein bockiges Kind und vom Großteil der Menschen plötzlich verlangen, dass sie ihre gesprochene und geschriebene Sprache von heute auf morgen verändern. Funktioniert so nicht, sorry. So erreicht man nur Ablehnung und somit das Gegenteil.
    • Aruka schrieb:

      Ich sehe da absolut kein Problem und ich muss zugeben das ich es weird finde wie unglaublich wichtig einigen auf einmal die deutsche Sprache ist und wie extrem sich einige darüber ärgern, das bezieht sich nicht auf dich.
      Ich habe zwei Punkte dazu. Zum einen natürlich weil "Politischer" Natur. Jetzt mal Unabhängig davon wem man schlussendlich wählt, es gibt halt Leute (was ich in manchen Gegebenheiten / Bereichen sogar ein Stück weit nachvollziehen kann) die stören sich halt über die "Eingriffe" der Politik wo man halt Agenda/Political Correctness pushed. Das Problem (und ich behaupte deshalb nennt man es auch allgemein ein Sensibles Thema) das ich halt da immer sehe ist das man halt selber leicht mal zu sensibel diesbezüglich und dann gerne mal ein Drama um nichts macht. Also wenn man andauernd von etwas Konfrontiert wird, eskaliert man schon bei Kleinigkeiten. Wenn andere ein Drama draus machen, macht man selbst auch ein Drama draus. Ich will mir jetzt nicht das Recht herausnehmen das jetzt Prinzipiell als Nichtigkeit verurteilen, es gibt sicher auch Dinge im Leben die mir wirklich am Herzen liegen und andere als Nichtigkeiten wahrnehmen. In dem Fall stört mich aber das in der Hinsicht eher weniger. (Ich möchte nur Anmerken, das ich hier einfach nur meine Perspektive reingeworfen habe. Das war jetzt nicht dafür gedacht um eine Debatte oder etwaiges loszutreten).

      Der Zweite Punkt ist das ich mal behaupte das Leute die das nicht (primär) wegen der Politik anstößig finden, jetzt nicht Bewusst nach Problemen in der Deutschen Sprache suchen, sondern gewisse Sachen einfach so "auffällig" sind. Ich mein ich weiß nicht ob du schon in dem Alter bzw. in der Phase bist wo du es selbst "nachvollziehen" kannst, aber ein prominentes Beispiel ist da finde ich auch die Jugendsprache. Wenn ich bspw. diese "Lit" schon nur höre, oder "Sus" (traurigerweise passierts mir selber auch hin und wieder das es rausploppt, aber da störts mich auch gewaltig...).
      Hat mir halt Somnium's Eingangspost wieder klar gemacht, als Österreicher bin ich sicher kein Deutschprofessor, aber wenn ich diese Anrede mit Gendersternchen sehe, das sieht finde ich sehr "unschön" aus. Also rein von der Formatierung her. Aber da ist halt wieder das Ding, da kann man überall Kritik finden, es gibt auch Leute die Texte, vorallem Online, ihre eigene Schreibweise/Formatierung/Layout haben, und da störts mich auch nur "bedingt". Bedingt im Sinne von: Wenn's jetzt nicht wirklich Katastrophal unleserlich Geschrieben ist, dann störts mich nicht wenn andere so schreiben. Meine Sache wäre es nicht - also spezifisch beim Gendersternchen. Wenn ich eine News oder etwaiges damit sehe wäre es mir halt vollkommen Schnuppe gewesen, außer das es meiner rein eigenen Präferenz mir nicht gefällt so zu schreiben und das nicht imitieren würde. Ich würde da nicht mal Bewusst darüber nachdenken und das irgendwo ansprechen, wenn es denn nicht jetzt ein Thema dazu gegeben hätte.


      Aruka schrieb:

      Aber wie du schon sagst, das Thema ist genauso unwichtig wie ss und ß
      Empfinde ich genauso.

    • Zu dem Thema, kann ich diesen Text empfehlen. Der fasst auch meine Meinung eigentlich perfekt zusammen. Verkürzt sagt der Text dass Gendern eine sexistische Praxis ist um Sexismus zu bekämpfen. Will man Sexismus aus der Sprache raushaben, dann muss man eine neutrale Sprache verwenden. Bei Substantiven kann man dann eine neue Form dazu erfinden. Bei anderen Bestandteilen der Sprache geht das aber nicht. Außerdem kann man dann auch einfach die regulären "alten" Varianten wählen und somit ist die Sprache dann nicht geschlechtsneutral. Einfacher ist es eine bestehende Form für alles zu verwenden. Und da das generische Maskulinum die am weitesten verbreiteste Variante in der deutschen Sprache ist, wäre es am praktikabelsten, wenn man einfach das generische Maskulinum für alles verwendet.

      Ich selbst gendere nicht. Nicht weil ich finde, dass es sich blöde anhört oder ich gegen eine diskriminuerungsfreihe Sprache bin. Ich finde gendern selbst einfach ebenfalls diskriminierend. Ich verwende daher das generische Maskulinum. Ich bin jetzt nicht so eisern, dass ich auch Frauen mit Er anspreche und auch manchmal die weibliche Form verwende, wenn ich von konkreten Personen spreche. Spreche ich aber allgemein, nutze ich nur das Maskulinum.
      Mich stört es aber auch nicht, wenn andere es anders machen. Ich störe mich nicht, wenn andere gendern, da die Motive dahinter dennoch okay sind. Ich mache es aber selbst nicht. Auf der Arbeit mache ich da manchmal Ausnahmen. Ich arbeite im Agentur-Umfeld und wenn Kunden viel Wert darauf legen, passe ich mich an.

      WolfStark schrieb:

      Geschlechtsneutrale Sprachen haben keinen Einfluß auf die soziale Gerechtigkeit
      Turksprachen zum Beispiel sind Sprachen, die anders als Deutsch geschlechtsneutral sind also quasi der feuchte Traum von Genderfreunden.
      Ja es gibt Gesellschaften bei denen geschlechtsneutrale Sprachen gesprochen werden und bei denen Sexismus und Diskriminierung sogar weitaus schlimmer sind als bei uns. Daraus ergibt sich aber nicht automatisch, dass geschlechtsneutrale Sprache keinen Einfluss hat. Das würde sich daraus nur ergeben, wenn die Sprache der einzige Grund für Diskriminierung und Sexismus ist. Selbst im Gender-Lager wird das aber wohl von der überwältigen Mehrheit nicht so gesehen werden.
      Unabhängig ob Sprache einen Einfluss darauf hat oder nicht, kann man es daher mit dem Beispiel andere Länder mit geschlechtsneutraler Sprache also nicht belegen bzw. widerlegen.
    • Es ist halt eine Frage der Argumentation. Sage ich: "Sprache schafft Wirklichkeit" oder "Sprache beeinflußt das Denken", dann sind die Beispiele von Gesellschaften mit geschlechtsneutraler Sprache aber klar patriarchalen Systemen ein deutliches Gegenargument. Ist meine Aussage deutlich differenzierter, vorsichtiger und weniger verallgemeinernd, dann sieht es ohne Frage anders aus (wobei der Einfluss schon in den Bereich der Messungenauigkeit gehen muss, wenn die Gesellschaften unter Umständen so patriarchal sind, dass es schon mittelalterlich ist) aber ich beziehe mich ja auf die Extreme, welche auch die Debatte bestimmen und die Aussagen, welche in ihr ständig wiederholt werden. So wie das "Wer heilt hat Recht" bei Homöopathie, die eine ähnlich manipulative Aussage ist, die eine Wirklichkeit vorgaukelt, die so nicht existiert.
      Keine Frage sieht man andere Gründe (teilweise allerdings auch eher kruder Natur) aber in der Diskussion um die Gender-Sprache geht das leicht unter oder wird ignoriert, was natürlich eigentlich nicht passt. Denn der Unterschied zwischen einem möglichen Faktor und dem direkten, kausalen Grund sind ja enormst.