Im Test! Mortal Shell

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    • Im Test! Mortal Shell

      Titel Mortal Shell
      Japan 18. August 2020
      Playstack
      Nordamerika 18. August 2020
      Playstack
      Europa 18. August 2020
      Playstack
      System PlayStation 4, Xbox One, PC
      Getestet für PlayStation 4
      Entwickler Cold Symmetry
      Genres RPG
      Texte
      Deutschland Nordamerika 
      Vertonung Nordamerika 

      Im letzten August erschien hierzulande der Titel „Mortal Shell“. Ein Action-Rollenspiel, welches – und das hören viele vermutlich viel zu oft – in dieselbe Kerbe einschlägt wie FromSoftwares Souls-Reihe. Ob sich Mortal Shell jedoch auch aus dem Schatten seiner Vorgänger erheben kann, erfahrt ihr in unserem Test.

      In der Mitte eines namenlosen Sees erwacht ihr aus einem tiefen Schlaf. Eure Sicht nach vorn verschwimmt in den Nebelschwaden. Um euch herum erblickt ihr nur verfallene Mauern, ertränkt in dem dunklen Nass, das euch umgibt. Nicht wissend, wer ihr seid, wer ihr wart und wohin es euch zieht, treibt euch nur euer eigener Wille nach vorn. Welche Wahrheit erwartet euch in der Dunkelheit und könnt ihr sie fassen?

      Der Beginn von Mortal Shell lässt sich am besten mit einem Schubs ins kalte Wasser vergleichen. Ihr erwacht in der Fremde und erkundet Schritt für Schritt die Welt um euch herum. Einzelne Inschriften, die ihr unterwegs findet, erzählen euch eine längst vergessene Geschichte. Mortal Shell ist vom Ansatz der Geschichte also nicht linear und bedient sich hier der Mechaniken seiner Vorgänger wie der Souls-Reihe. Einerseits verstärkt diese Form der Erzählung das Mysterium der Welt, andererseits kann einem schnell eine wichtige Information flöten gehen. Das muss nichts Negatives sein, nur der Fokus verschiebt sich ein wenig auf andere Aspekte.

      Des Beherrschers neue Kleider

      Wie eingangs erwähnt, erwacht ihr lautlos in der Fremde. Euer Alter Ego kann wohl am ehesten mit einer Art Dämon verglichen werden. Als solcher seid ihr bereits befähigt, euch der untoten Brut in der Welt von Mortal Shell zu erwehren. Doch klassenlos durch die Lande zu streifen ist dann auf die Dauer doch etwas zu gefährlich.

      Ihr besitzt jedoch die Gabe, euch der Überreste einst stolzer Krieger zu bemächtigen. Die sogenannten „Shells“, zu deutsch Hüllen, erfüllen in Mortal Shell den Zweck der RPG-typischen Klassen. Vier von ihnen gibt es an der Zahl und jede besitzt andere Eigenschaften und Fähigkeiten. Bevor ihr euch jedoch mit der einstigen Menschlichkeit kleiden könnt, müsst ihr diese erst in den Tiefen Fallgrims finden. Das Spiel gibt euch hierzu Hinweise in Form von Visionen.

      Wenn es euch dann einmal gelungen ist, euren Geist mit dem faulen Fleisch der Dahingeschiedenen verbunden zu haben, besitzt ihr nicht nur deren Stärke, sondern verfügt auch über ein Arsenal an speziellen Fähigkeiten. Diese müssen allerdings genretypisch erst erweckt werden. Sowohl mit dem Verzehr bestimmter Gegenstände als auch durch das Erschlagen der modrigen Brut Fallgrims könnt ihr euch die nötige Energie einverleiben.

      Waffen und Gegenstände

      »Mortal Shell bietet eine abwechslungsreiche, wenn auch überschaubare Welt. Die Areale sind recht verwinkelt und hinter jeder Ecke kann ein Hinterhalt lauern.«

      Neben dem Auffinden von menschlichen Überresten begebt ihr euch auch auf die Suche nach mächtiger Ausrüstung. Ohne eine geeignete Waffe lässt sich die Lebensenergie deutlich schwerer aus den Untoten herausbrechen. Jedoch ist das Finden einer solchen Waffe kein leichtes Unterfangen und auch das in Besitz nehmen stellt sich deutlich schwieriger heraus als gedacht. Waffen bekommt man in Mortal Shell nur durch das Absolvieren von Prüfungen, die mit einem Kampf verbunden sind. Habt ihr euch aber erst einmal eines dieser altertümlichen Kriegswerkzeuge bemächtigt, könnt ihr diese noch zusätzlich weiter in einer Schmiede ausbauen. Neben dem obligatorischen Kraftschub verleiht euch der Feinschliff in der Schmiede auch neue Waffenfertigkeiten, die ihr für die verschiedenen Bosskämpfe in Mortal Shell gebrauchen könnt.

      Neben Waffen braucht ihr natürlich auch noch die handelsüblichen Gegenstände, ohne die kein RPG-Spieler auskommen kann. Von Pilzen über gegrillte Ratten bis hin zu obskuren Manuskriptseiten gibt es alles, was das Kriegerherz begehrt. Das Besondere an den Gegenständen in Mortal Shell ist jedoch, dass sich ihr Zweck zunächst eurem Geist entzieht. Das Spiel verfolgt hier den Ansatz: „Probieren geht über studieren“. Dieser Ansatz ist gerade für die Horter unter uns besonders schlimm zu ertragen, da man gezwungen ist, erst mal einen Gegenstand in aller Sicherheit zu nutzen. Letztlich möchte man doch für den Ernstfall gewappnet sein. Das Besondere hierbei ist, dass sich die Effektivität der Gegenstände mit jeder Nutzung verstärkt und sie euch weitere Informationen offenbaren.

      Gestärkt in den Kampf

      Nicht nur die Welt Fallgrims ist vom stetigen Verfall und Tod geprägt. Auch ihre Bewohner haben schon lebendigere Zeiten erlebt, vermutlich zumindest. Pestschrecken, Ghule, Phantome und allerlei dämonische Ausgeburten bevölkern die vor sich hin modernde Welt. Mit eurer Waffe in der Hand und dem Geschick eurer stinkenden Hülle eines Menschen stellt ihr euch den Schrecken entgegen. Das Kampfsystem kann man dabei als ziemlich genretypisch bezeichnen.

      Wenn ihr eurem Widersacher nicht gerade euer Schwert ins verfaulte Fleisch rammt, dann pariert, blockt oder weicht ihr den Angriffen der Bestien einfach aus. Zumindest versucht ihr dies oder solltet es zumindest versuchen. Wisst ihr allerdings schon, dass ihr dem Schwung eures Gegners nicht mehr ausweichen könnt, hilft euch die Besonderheit von Mortal Shells Kampfsystem weiter. Das sogenannte Härten ist eure absolute Verteidigung. Für kurze Zeit wird eure Haut zu einer unüberwindbaren Festung, durch welche jede Waffe, jede Klaue und jeder Reißzahn stumpf wird.

      Mit Verhärtung in den Kampf

      »Ihr besitzt die Gabe, euch der Überreste einst stolzer Krieger zu bemächtigen. Die sogenannten „Shells“, zu deutsch Hüllen, erfüllen in Mortal Shell den Zweck der RPG-typischen Klassen.«

      Die Mechanik bringt ein wenig frischen Wind in das Genre. Die Fähigkeit kann nicht nur defensiv, sondern auch offensiv genutzt werden. Schwerthiebe können so verzögert werden. Wenn der Gegner seine Deckung aufgibt, kann er so leicht seinen Kopf verlieren. Kombiniert mit den unterschiedlichen Fähigkeiten der Charaktere und Waffen, eröffnen sich einige neue Offensiv- und Defensivtaktiken. Dabei gilt bei Mortal Shell das altehrwürdige Prinzip: Leicht zu lernen, hart zu meistern.

      Wichtig ist es nach wie vor, das Angriffsmuster derer zu erkennen, die euch nach eurem Leben trachten. Einmal erkannt, obliegt es euch dann meist zu entscheiden, wie riskant oder sicher ihr die Kämpfe gestalten wollt. Wer auf sicher gehen will, schlägt meist ein- oder zweimal zu und geht dann über in die Verteidigung. Andere springen lieber direkt auf den Gegner zu, umkreisen ihn und nutzen den toten Winkel der Hiebe, um im Blut des Unholds zu baden. Offensive aber auch defensive Taktiken führen meist zum Ziel. Letztere dauern natürlich meist deutlich länger und man lernt nicht unbedingt die Finessen des Kampfsystems.

      Mortal Shell lässt es euch aber offen, wie ihr zum Ziel kommt. Unterliegt ihr jedoch trotzdem eurem Gegner, seid ihr nicht gleich tot. Bevor dies der Fall ist, werdet ihr zuvor aus eurer Hülle getrieben. Diese verbleibt dann an Ort und Stelle. Einmal besteht allerdings die Möglichkeit, euch mit dieser wieder zu verbinden. Gelingt euch dies, seid ihr wieder bei voller Kraft. Das nächste Mal könnt ihr euch aber eures Endes gewiss sein. Ein nettes Feature, um dem Tod von der Schippe zu springen, scheint aber auch nicht ganz fehlerfrei zu sein. Im Test kam es in seltenen Fällen vor, dass man nach einer erneuten Verbindung nicht mehr ausweichen konnte. In einer solch gefährlichen Welt eigentlich schon ein Todesurteil.

      Eine überschaubare, aber verwinkelte Welt

      Bei all dem Gerede über Untote und halb verweste menschliche Überbleibsel, die man sich über die eigene dämonische Haut zieht, möchte man meinen, dass man sich nur auf einem Friedhof bewege. Dem ist jedoch nicht so. Mortal Shell bietet eine abwechslungsreiche, wenn auch überschaubare Welt. Vom Startpunkt der sumpfigen Wälder Fallgrims, in welchen euch Ausgestoßene überfallen, über Glut erhellte Tempel bis hin zu den eisigen Wipfeln einer verlassenen Ruine gibt es doch das ein oder andere zu sehen. Die Areale sind überdies recht verwinkelt und hinter jeder Ecke kann ein Hinterhalt lauern.

      Musik hingegen spielt in Mortal Shell eine eher untergeordnete Rolle. Wenn man nicht gerade selbst zur Laute greift, wirkt diese eher als unterstützendes Mittel und drängt sich nicht vor die Geräuschkulisse der Welt. Die Soundeffekte sind den Entwicklern wiederum recht gut gelungen und fügen sich gut in die Welt ein.

      Ist Mortal Shell einen Blick wert?

      Lohnt sich also ein Blick? Ich denke schon, dass man Mortal Shell mal eine Chance geben sollte. Die Welt ist recht morbide, das Gegnerdesign ist äußerst ansprechend und das Kampfsystem genretypisch gut mit dem ein oder anderen erfrischenden Element. Hier drängt sich gerade die Fähigkeit des Härtens in den Vordergrund, welche dem Kampfsystem neue Offensiv- und Defensivtaktiken eröffnet. Auch die Idee, dass Items erst nach ihrer Anwendung ihre Effekte offenbaren und erst mit weiteren Nutzungen effektiver werden, passt in das Konzept dieser Welt.

      Die nicht lineare Geschichte ist für Kenner des Genres nichts Neues, könnte aber auch hier, wie auch schon bei älteren Vertretern, auf Abneigung bei Neulingen stoßen. Die musikalische Untermalung wirkt eher dezent und überlässt lieber Soundeffekten den Vortritt. Im Grunde erwartet einen mit Mortal Shell ein kurzweiliges morbides Abenteuer, welches es wert ist, genauer angeschaut zu werden.

       

      Story

      Bruchstückhafte Geschichte, welche durch Inschriften und Erzählung überliefert wird.

      Gameplay

      Genretypisch gute Action-RPG-Kost im Stil der Souls-Veteranen, garniert mit eigenen Ideen wie der Fähigkeit des Härtens.

      Grafik

      Mortal Shell bietet eine überschaubare, aber dafür verwinkelte und abwechslungsreiche Welt mit düsteren Gestalten, die euch eure Haut abziehen wollen.

      Sound

      Musikalisch eher dezent untermalt, dafür können die Soundeffekte der Welt überzeugen.

      Sonstiges

      Vier verschiedene Klassen, die es in der Welt von Fallgrim zu finden gibt. Ein interessantes Itemsystem, welches erst durch Anwendung der Gegenstände zeigt, wofür diese gut sind.

      Bildmaterial: Mortal Shell, Playstack / Cold Symmetry

    • Guter Test! Ich habe schon einige Lets-Plays zu gesehen und würde es irgendwann mal gern ausprobieren. Warte aber auf einen Sale oder vielleicht ist es mal im Game Pass...Wie ihr hier schon beschrieben habt, scheint die Welt ja nicht sehr umfangreich zu sein, mit was für einer Spielzeit kann man rechnen (ich brauch eh immer länger)?