Im Test! Tokyo Ghoul:re [Call to Exist]

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    • Im Test! Tokyo Ghoul:re [Call to Exist]

      Titel Tokyo Ghoul:re [Call to Exist]
      Japan 15. November 2019
      Bandai Namco Entertainment
      Nordamerika 15. November 2019
      Bandai Namco Entertainment
      Europa 15. November 2019
      Bandai Namco Entertainment
      System PlayStation 4, PC
      Getestet für PlayStation 4
      Entwickler Three Rings
      Genres Action
      Texte
      Deutschland 
      Vertonung Japan

      Vor einiger Zeit habe ich voller Freude und Spannung den Manga Tokyo Ghoul gelesen und fand das Ende wirklich klasse und total mutig! Doch dann war das gar kein Ende, sondern es sollte einfach mit einem Zeitsprung weitergehen. Danach fand ich es leider gar nicht mehr gut, aber dennoch habe ich mit gewissem Interesse die Ankündigung von Tokyo Ghoul:re [Call to Exist] verfolgt, welches in Form einer Videospielumsetzung der gesamten Reihe die Story des Anime wiedergibt. Doch leider hat dies mein Interesse am Manga nicht neu entfacht. Im Gegenteil, wie ein Ghoul hat das Spiel mein Herz zerrissen.

      Eine ghoule Story

      Wer sich mit Tokyo Ghoul nicht auskennt, für den hier ein kleiner Anriss, worum es bei der Serie geht: Der Hauptprotagonist Ken Kaneki verliebt sich in ein wunderschönes Mädchen, welches nach einem Date jedoch nicht seine Zunge im Hals, sondern am liebsten im Magen haben möchte. Bei ihr handelt es sich um einen Ghoul, eine Art superstarker Zombie, welche ihn gern als Mitternachtssnack verspeisen mag.

      Doch es kommt anders als geplant, denn durch einen Unfall werden beide von Stahlträgern erschlagen. Der weibliche Ghoul ist sofort tot, doch Ken überlebt knapp und bekommt wichtige Organe der Ghoul-Dame eingepflanzt. Dadurch wird er zu einem Mensch-Ghoul-Hybrid und muss sich nun mit dem Leben als Feind von normalen Menschen zurechtfinden. Im Laufe der Geschichte gelingt ihm dies immer schlechter, bis er zu einem unfassbar mächtigen Hybrid-Ghoul wird, der zwar eigentlich nur seine Liebsten beschützen will, aber sich nicht immer unter Kontrolle hat.

      Keine ghoule Umsetzung der kafkaesken Story

      »Wenn man Neuling ist und von der allgemeinen Geschichte in Tokyo Ghoul keine Ahnung hat, wird das Spiel manchmal mehr verwirren als alles andere.«

      Die gesamte Geschichte wird euch in Tokyo Ghoul:re [Call to Exist] in Bild- und Textform erzählt. Manchmal gibt es auch ein wenig „Action“ mit den 3D-Modellen, aber das ist alles lieblos inszeniert. Wenn man Neuling ist und von der allgemeinen Geschichte keine Ahnung hat, wird das Spiel manchmal mehr verwirren als alles andere. Beispielsweise direkt am Anfang, der Unfall mit den Stahlträgern, wird nicht wirklich erklärt. Ihr seht dann nur einen schwarzen Bildschirm, ein paar Knallpuffpeng-Effekte und dann geht’s mit der OP weiter. Schade, dass man sich da nicht beispielsweise an einem Titel wie Naruto Ultimate Ninja Storm orientiert hat.

      Hier werden also wahrscheinlich nur wirklich richtige Fans etwas mit der Story anfangen können. Selbst ich, der es vor einiger Zeit gelesen hatte, sah dann teilweise gar nicht mehr durch, weil es so konfus dargestellt wird. Löblich immerhin: Jedes Kapitel kann aus mehreren Sichten gespielt werden und bietet so diverse Blickwinkel der Charaktere.

      Lange langweilige Schlauchlevel

      Jedes Level ist an sich recht umfangreich, aber oft lauft ihr einfach durch langweilige Gänge, bekämpft Kanonenfutter-Gegner bis zum nächsten, etwas stärkeren Ghoul und müsst kleine „Rätsel“ lösen. Damit meine ich: Sammelt einen Gegenstand auf oder wartet eine gewisse Zeit, bis ihr weiter könnt und haltet dabei Feinde auf. Lustigerweise hat mich die allgemeine Spielart, vor allem auch im Online-Modus, ein wenig an Left 4 Dead erinnert. Vielleicht hat man sich auch in der Grundart des Spiels irgendwie daran orientiert? Leider hat man den Spaß von Left 4 Dead in keiner Form übertragen können.

      Theoretisch ist das Gameplay eigentlich nicht schlecht. Ihr könnt zahlreiche Charaktere aus der Serie spielen, in der Story-Kampagne übernehmt ihr immer einen vorgegebenen Kämpfer. Diese sind in drei Klassen unterteilt: Ghoul, Dove und Quinx. Ich habe übrigens auf Englisch gespielt, ich denke, der deutsche Titel für die Doves wird wohl Tauben sein. Das Spiel besitzt eine komplett deutsche Text-Lokalisation. Die verschiedenen Charaktere und Klassen spielen sich auch recht unterschiedlich, was für Abwechslung sorgt.

      »Ihr könnt zahlreiche Charaktere aus der Serie spielen, in der Story-Kampagne übernehmt ihr immer einen vorgegebenen Kämpfer.«

      Die Ghoule können sich beispielsweise selbst heilen, während die anderen Klassen auf Medi-Packs angewiesen sind. Dafür können Doves und Quinx diverse Waffenarten und Pistolen benutzen. Jeder Charaktere besitzt verschiedene Angriffe auf den unterschiedlichen Taste. Ebenfalls kann eine Awakening-Leiste genutzt werden, um in einen starken Modus zu wechseln oder Spezial-Angriffe einzusetzen. Diese hauen ordentlich rein, sollten aber vor allem dann genutzt werden, wenn die Abwehr eines Feindes durchbrochen wurde.

      Besonders interessant können die Bosskämpfe werden. Ich nenne es interessant, weil eigentlich sind sie ghou- äh, cool, aber irgendwie auch teilweise bockschwer. Aber sobald man die Manöver durchschaut hat und sich vom ständigen Angreifen auf häufiges Ausweichen umgestellt hat, sind auch diese Kämpfe zu meistern.

      Unghoule Kameraeinstellungen

      Einer der größten Feinde im Spiel ist jedoch nicht ein besonders starker Gegner oder die schweren Level, sondern die Kamera. Diese fängt oft perfekt genau das ein, was ihr gerade eigentlich nicht sehen wollt. Dann kommt hinzu, dass ihr eure Feinde zwar anvisieren könnt, aber dies sich einfach oft vom Gegner löst. Ob ihr zum Beispiel an ihm vorbeigelaufen seid oder einen Spezial-Angriff eingesetzt habt: Oft müsst ihr dann neu anvisieren, nachdem der Feind gesucht wurde. Gerade in Bosskämpfen, wo ihr ja eigentlich sowieso nur ein Ziel habt, nervt es, wenn dann plötzlich neu anvisiert werden muss.

      Nach kurzer Zeit des Spielens der Story schaltet man dann den [Call to Exist]-Modus frei. Dieser hatte mich persönlich am meisten interessiert, denn dort kann man seinen eigenen Charakter erstellen und die bereits freigeschalteten Missionen nochmal bewältigen. Oder ihr wählt eine der zahlreichen Figuren aus der Reihe aus und spielt mit denen. Ebenfalls kommt hier der Online-Modus ins Spiel, bei dem ihr mit anderen Spielern zusammen das Abenteuer bewältigen könnt.

      Viele Möglichkeiten, aber langweilige Umsetzung

      »Einer der größten Feinde im Spiel ist jedoch nicht ein besonders starker Gegner oder die schweren Level, sondern die Kamera, die oft genau das zeigt, was man gerade nicht sehen will.«

      Ihr könnt eure Charaktere verstärken und aufleveln, was eigentlich interessant klingt. Aber das auf Dauer repetitive und langweilige Gameplay wird dadurch auch nicht wirklich besser. Ich bin ein großer Fan von Spielen wie Dynasty Warriors, aber selbst mir ist das Gameplay in Tokyo Ghoul:re [Call to Exist] auf Dauer zu langweilig. Natürlich ist es cool, wenn man seinen Lieblingscharakter aus der Serie spielen kann, aber wenn der Rest nicht spannend ist, kann das auch nichts retten.

      Wenn die Story und das Gameplay nicht besonders gut umgesetzt sind, vielleicht wurde ja dann das gesamte Budget in die Grafik gesteckt? Doch leider irrt man sich auch da. Ich hasse solche Vergleiche, aber ich muss ihn an der Stelle einfach ziehen. Tokyo Ghoul:re [Call to Exist] sieht aus wie ein sehr gutes PlayStation-3-Spiel. Das ist mehr Lob für die Konsole als für diese Umsetzung. Das ist wahrscheinlich nun auch ein wenig übertrieben, aber halt irgendwie auch nicht ganz unwahr. Die Level sind langweilig, die Effekt bestenfalls „okay“. Immerhin bricht die Bildrate nicht ein.

      Immerhin hört ihr im Spiel die originalen japanischen Sprecher, zumindest soweit ich das beurteilen konnte. Diese machen ihren Job auch sehr gut. Nicht so gut ist die musikalische Untermalung. Da ich den Anime nie gesehen habe, kann ich nicht beurteilen, ob Songs daraus im Spiel vorkommen. Es ist nun nicht so, dass der Soundtrack des Spiels schlecht ist… aber wirklich spannend oder gut ist er auch nicht.

      Fauliger als ein Zombie

      Im Großen und Ganzen kann ich persönlich Tokyo Ghoul:re [Call to Exist] nur absoluten Hardcore-Fans der Vorlage empfehlen. Ich habe mich beim Spielen teilweise extrem gelangweilt und musste mich regelrecht zwingen, es für diesen Test weiterzuspielen. Dabei mochte ich die Vorlage in gewisser Weise ja sogar! Natürlich hatte ich zwischendurch auch kurz mal Spaß, aber das kam einfach zu selten vor. Wer die Vorlage liebt, sieht das vielleicht ein wenig anders. Habt ihr noch nie etwas mit Tokyo Ghoul am Hut gehabt, dann lasst aber besser die Finger von diesem Titel.

       

      Story

      Ihr spielt die Geschichte des Tokyo-Ghoul-Anime nach und schlüpft in die Rollen der zahlreichen Charaktere. Leider ist die Story schlecht umgesetzt. Wer bisher nichts von der Story weiß, wird hier nur einen oberflächlichen Eindruck bekommen.

      Gameplay

      Ihr bekämpft in diversen Schlauchleveln zahlreiche langweilige Feinde mit zugegeben teilweise coolen Moves. Die Kamera ist jedoch euer größter Feind.

      Grafik

      Aufgrund eines wahrscheinlich niedrigen Budgets sieht Tokyo Ghoul:re [Call to Exist] leider nicht sehr gut aus. Langweilige Level, die Charaktermodelle sind immerhin gut.

      Sound

      Tolle japanische Sprachausgabe mit viel Emotion, der Soundtrack ist in dem Moment vergessen, in dem ihr ihn hört.

      Sonstiges

      Online-Multiplayer könnte für Motivation und Spielspaß sorgen, sogar PvP ist möglich.

      Bildmaterial: Tokyo Ghoul: re Call to Exist, Bandai Namco / Three Rings