Im Test! The Sinking City

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    • Im Test! The Sinking City

      Titel The Sinking City
      Japan 27. Juni 2019
      Bigben Interactive
      Nordamerika 27. Juni 2019
      Bigben Interactive
      Europa 27. Juni 2019
      Bigben Interactive
      System PlayStation 4, Xbox One, PCs
      Getestet für PlayStation 4
      Entwickler Frogwares
      Genres Action-Adventure
      Texte
      Japan Nordamerika
      Vertonung Nordamerika

      Bildmaterial: The Sinking City, Bigben Interactive / Frogwares

      Es begann alles mit einer mysteriösen Flut, die das einst hübsche Oakmont überspülte. Die Wassermassen brachten Chaos und Zerstörung, Teile des Ortes können nur noch mit einem Boot erreicht werden. Gebäude sind in sich zusammengefallen, die Menschen haben kaum noch Zugang zu Medikamenten, frischem Wasser und Nahrung. Doch die Flut hat noch etwas viel Schlimmeres mit sich gebracht, etwas aus der Tiefe, etwas Uraltes.

      Einige Bewohner berichten von seltsamen Vorhersehungen, Alpträumen, Angstzuständen. Es ist, als hätte das Wasser auch den Wahnsinn an Land getragen. Auch Charles Reed, ein Privatdetektiv aus Boston, wird von kryptischen und furchteinflößenden Visionen geplagt. Doch warum er? Er lebt weder in Oakmont, noch hat er irgendeine Verbindung zu der Hafenstadt. Er macht sich auf den Weg zu diesem verfluchten Ort und der Spieler darf ihn bei seinen Investigationen begleiten und die Mysterien lüften, die hinter dem dicken Nebel der Stadt und in den Köpfen der Anwohner lauern.

      Straight to work

      Schon wenige Minuten nachdem er seinen Fuß wieder auf festen Boden setzt, werden auch schon seine Dienste in Anspruch genommen. Es gilt, das Verschwinden eines Mannes aufzuklären, der rein zufällig auch der Sohn einer der einflussreichsten Männer der Stadt ist. Und schon wird auch die erste Hauptmission in Gang getreten, die noch einige nach sich ziehen wird.

      Woran die örtliche Polizei sich die Zähnchen ausbeißt, knackt der Detektiv in Rekordzeit. Was er den Leuten nicht verrät: Er hat einen unfairen Vorteil gegenüber den hiesigen Gesetzeshütern. Dank einer Mischung aus hervorragender Auffassungsgabe und übernatürlicher Fähigkeiten, kann er Dinge sehen und hören, die dem Normalo verwehrt bleiben.

      Mit einer „besonderen Sicht“ erscheinen ihm merkwürdige Gestalten, die den Weg weisen. Er sieht Szenarien, die sich vor ihm aufbauen und nur darauf warten, in die richtige Reihenfolge gebracht zu werden. Gegenstände offenbaren ihm Einblicke in Momente der Vergangenheit und Hinweise kann er im Kopf kombinieren, um Schlussfolgerungen zu ziehen. Anfangs kann man sich schon leicht erschlagen fühlen bei all diesen Talenten, schon bald hat man sich aber an diese Fähigkeiten gewöhnt und verwendet sie wie selbstverständlich beim Hinweise sammeln.

      Auf offener See

      Nachdem der erste Fall gelöst ist, öffnet sich die Karte von Oakmont und kann erkundet werden. Dabei findet man auch einige Nebenquests, indem man mit dem richtigen NPC spricht oder Schriftstücke in Häusern aufstöbert. Aber Vorsicht: Seit der Flut gibt es Gegenden, in denen es von widerlichen Monstern nur so wimmelt. Diese sind nicht nur gefährlich, sondern könnten auch glatt aus einem Silent-Hill-Titel entsprungen sein. Kein Wunder also, dass sie nicht nur an der Lebensleiste des Protagonisten zehren, sondern auch seinen Geisteszustand in Mitleidenschaft ziehen. Letzterer wird ebenfalls in Form einer Leiste dargestellt und sinkt in Kämpfen und bei übermäßiger Verwendung der „besonderen Sicht“. Je weniger Tassen Reed im Schrank hat, desto mehr verschwimmt seine Sicht, grauenhafte Bilder flackern über den Bildschirm und die Stadt scheint zu Staub zu zerfallen.

      Kampf ums Überleben und um die eigenen Nerven

      Dank wachsendem Waffenarsenal kann man dieser Plage Herr werden. Die Kämpfe sind aber kein Spaß. Klar, es soll nicht einfach sein, das Gefühl von Bedrohung und Gefahr passt gut ins Konzept. Trotzdem waren die Gefechte eher frustrierend als spannend. Mal fressen die Biester viele gut gezielte Schüsse ohne zurückzuweichen, mal wird man von einer Meute überrannt und verliert den Überblick. Die ständigen Seitenschritte der Monster machen alles zu einem munitionsverschlingenden Glücksspiel und ein Game Over bedeutet lange Ladezeiten und ein Respawn an der nächsten Telefonzelle, die auch als Schnellreisepunkt dient, und die kann auch schon ein ganzes Stück weit weg sein.

      Do it yourself

      The Sinking City verkauft seine Spieler nicht für dumm und nimmt diese nicht bei jedem Schritt an die Hand. Vielmehr lässt der Titel Freiraum zum selbst Nachdenken. Ich brauche eine Aussage von Person X, die zurzeit nicht zur Arbeit kann, da sie eine Verletzung hat? Dann gehe ich lieber einmal ins Krankenhaus und durchforste die Archive nach diversen Kriterien, die ich schon kenne. Die gefundene Adresse suche ich auf der Karte selbst heraus und markiere sie mir.

      Das Spiel ist dabei nie so schwer, dass man sich überfordert fühlen muss und lässt dem Spieler sogar die Wahl, aus gefolgerten Schlüssen zu wählen: Schwärze ich die Person an, weil ich ihre Pläne für unmoralisch halte oder helfe ich ihr gar dabei, weil ich damit eine Untergrundorganisation zerschlagen kann? Meine Entscheidung. Viele Wege führen nach Rom. Rom bleibt Rom, aber den Weg wählt man selbst.

      Trotz guter Optik schwach auf der Brust

      Während der Sound durchaus hörenswert ist und die Sprecher zum größten Teil überzeugen, ist das Urteil zur Optik und Performance nicht ganz so eindeutig. Das bedeutet nicht, dass The Sinking City nicht hübsch anzusehen ist. Düstere Atmosphäre, detailverliebte Umgebungen, zeitweise wirklich tolle Wettereffekte und Tageszeit-Stimmungen geben Oakmont den perfekten Touch von Chaos, Verzweiflung, Trübsinn und Mystery.

      Die Animationen der Figuren, ob Protagonist oder NPC, der durch die Straßen spaziert, sind hingegen etwas ungelenk. Besonders Letztere leiden unter Fehlerchen, die sie herumteleportieren oder hängen bleiben lassen. Positiv fällt aber auf, dass die Bewohner dynamisch auf die Hauptfigur reagieren. Sie können angerempelt werden, ducken sich weg, wenn man seine Waffe zieht oder nehmen Reißaus, wenn man ihnen eine verpasst.

      Auch die Spielwelt leidet unter unschönen Makeln wie hässlichen Pop-ups oder Clipping-Fehlern, die halbe Ungeheuer in Wänden verschwinden lassen. Am schwerwiegendsten lastet aber die Performance auf dem äußeren Gesamteindruck: Nie hat man das Gefühl, dass der Titel komplett flüssig läuft. Die Umgebung zuckelt der Kamera hinterher, wenn man diese dreht. Hin und wieder kam es zu deutlichem Screen-Tearing; wenn viel auf dem Bildschirm los war, wurden schon mal ein paar Frames übersprungen. Ebenso das Menü und die Karte sind zäh und lassen sich jedes Mal zwei bis drei Sekunden bitten, bevor sie sich öffnen. Besonders bei der eifrigen Suche nach der nächsten Location war das lästig.

      Den Sprung in die Tiefe wagen?

      The Sinking City wird besonders Liebhaber von Werken des Autors H. P. Lovecraft ansprechen, denn das Spiel nimmt zahlreiche, direkte Bezüge zu dessen Geschichten. Man muss aber kein Kenner sein, um die Story zu genießen und in diese düstere Welt eingesogen zu werden. Gerade bei Letzterem haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet: Oakmont und seine Bewohner wirken dicht und interessant. Die Depression und der Wahnsinn, der Schlamm und die Zerstörung – die Emotionen, die übertragen werden sollen, kommen an.

      So gelungen die Spielwelt ist, hat sie doch viel ungenutztes Potential. Es gibt wenig NPCs außerhalb der Hauptmissionen, mit denen man sprechen kann. Es gibt auch nicht viele Gebäude, die man betreten kann und wenn doch, sind diese oft nur Loot-Quellen voller Monster. Ressourcen sind wichtig, denn daraus stellt man beispielsweise Munition und Medikits her. Zum Glück findet man aber auch an ungefährlichen Orten Gegenstände und das nicht zu knapp. Nerviger sind da eher die begrenzten Tragekapazitäten unseres werten Privatdetektivs. Mit wachsender Erfahrung kann man Skillpunkte für diverse Fähigkeiten vergeben, dabei kann man auch seine Taschen etwas vergrößern.

      So tragisch wie sich das jetzt liest, ist es aber gar nicht, denn die Missionen geben dem Spieler genug zu tun. Auch die Nebenmissionen führen einen an Orte, die dadurch Bedeutung erhalten, und wer fleißig Ressourcen sammelt, sollte zudem keine allzu großen Engpässe erleben. Es ist einfach nur schade, denn so wirkt diese Open World einfach leer, beraubt seiner optionalen Interaktionsmöglichkeiten und einem Zufallsfaktor, welcher das Erkunden lohnenswert gemacht hätte.

      Die Geschichte, die dieser Mystery-Titel erzählt, ist durchaus interessant und unterhaltsam. Man will schon wissen, wie es weitergeht, man will die Geheimnisse Oakmonts lüften. Gleichzeitig gibt es hier aber Längen und Leerlauf und die ausgedehnten, unspektakulären Unterhaltungen, die die Handlung vorantreiben, nehmen dem Spiel viel Schwung. Gleichzeitig ist man nie wirklich gefesselt oder fühlt sich komplett abgeholt. Weder von der Präsentation der Handlung, noch der Handlung selbst.

      Fazit

      »The Sinking City eröffnet dem Spieler den Blick in eine düstere, zerbrochene Welt voller Geheimnisse, mit einer Atmosphäre, die so dicht ist, dass man das Meer fast riechen kann. Leider krankt der Titel an technischen Unzulänglichkeiten und unausgegorenen Gameplay-Elementen, die oft lästig, manchmal sogar ärgerlich sind.

      Während seiner detektivischen Untersuchungen fällt der Spieler immer tiefer in diesen surrealen Fuchsbau, begegnet faszinierenden Persönlichkeiten und deckt Unheimliches auf. Die Handlung ist interessant, bleibt aber auf einem grundsoliden Level, was nicht zuletzt auch an der etwas laschen Präsentation liegt. Für Fans von Mystery, Grusel und H. P. Lovecraft ist das Spiel aber durchaus einen Blick wert.«

       

      Story

      Privatdetektiv Charles Reed macht sich auf nach Oakmont, um Vermisstenfälle nach einer Flutkatastrophe zu untersuchen. Gleichzeitig will er aber seinen merkwürdigen Visionen auf den Grund gehen.

      Gameplay

      Mithilfe von Reeds besonderen Fähigkeiten sammelt man Beweise und geht Kriminalfällen auf den Grund. Gleichzeitig muss er sich mit seinem Waffenarsenal gegen Monster zur Wehr setzen.

      Grafik

      Das Spiel bietet eine wunderbar düstere Welt, voller Details, die leider an einigen technischen Problemen leidet.

      Sound

      Passende Musik, gutes Sounddesign und meist hochwertige Sprecher runden den Titel akustisch ab.

      Sonstiges

      Neben einem justierbaren Schwierigkeitsgrad für Kämpfe und Rätsel bietet The Sinking City auch drei unterschiedliche Enden.