Im Test! Onimusha: Warlords

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    • Im Test! Onimusha: Warlords

      Titel Onimusha: Warlords
      Japan 20. Dezember 2018
      Capcom
      Nordamerika 15. Januar 2019
      Capcom
      Europa 15. Januar 2019
      Capcom
      System PlayStation 4, Nintendo Switch, Xbox One, PC
      Getestet für Nintendo Switch
      Entwickler Capcom
      Genres Action-Adventure
      Texte
      Deutschland Nordamerika 
      Vertonung Nordamerika Japan

      Bildmaterial: Onimusha: Warlords, Capcom

      Mit dem Resident-Evil-2-Remake, welches für Ende Januar terminiert ist, und dem Okami-Remaster, welches bereits letztes Jahr neu aufgelegt wurde, reiht sich Capcom mit Onimusha: Warlords in den Trend ein, alte Klassiker für die aktuelle Konsolengeneration spielbar zu machen. Nicht viele Firmen können dabei auf einen so reichen Katalog zurückgreifen wie Capcom.

      Mit vielen Reihen, die heute noch beliebt sind und Kultstatus besitzen, marschierte die japanische Videospielschmiede erfolgreich von der NES- bis zur PS2-Ära. Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis auch Onimusha wieder das Licht der Welt erblickte. Nun wurde der erste Teil der Samurai-Reihe mit nötigen Verbesserungen erneut veröffentlicht und hier erfahrt ihr, wie gut die Serie gealtert ist.

      Die Zeit der großen Clans

      Wir befinden uns in Japan, zu Zeiten, in denen die großen Clans über das Land herrschen und es zugleich mit ihren Rivalitäten in den Abgrund zu zerren drohen. Während dieser dunklen Tage erhält unser Held Samanosuke einen Brief von seiner alten Freundin.

      Prinzessin Yuki lebt auf Schloss Inabayama, in dem angeblich seltsame Dinge vorgehen. Monster sollen die Bediensteten auffressen. Darum bittet die Prinzessin den Samurai um Hilfe. Dort angekommen lernt er, dass nicht nur die Clan-Kriege eine große Gefahr für das Land darstellen.

      Stereotype Charaktere

      Was sich simpel anhört, ist weitaus simpler als man es sich vorstellt. Nach einer kurzen CG-Sequenz, die als Exposition dient, geht es direkt in das Schloss und auf die Dämonen los. Die Geschichte wird zur gewöhnlichen “Prinzessin in Not“-Geschichte, jedoch auf die langweiligste Art. Die wenigen Charaktere, welche überhaupt eine Rolle spielen, sind ohne jede Tiefe, vorhersehbar und die einfachsten Stereotypen, die man sich vorzustellen vermag.

      Gleiches gilt für die Beziehungen zwischen diesen Charakteren, die kaum eine Minute haben, sich zu entwickeln oder mehr über ihre Vergangenheit zu offenbaren. Dies ist bei der Länge der Story überhaupt keine Überraschung. Fühlt man sich im Action-Adventure-Genre ein wenig wohl und verzichtet auf Erkundungen, so flimmern die Credits schon nach etwa zwei Stunden über den Bildschirm. Sehr viele inhaltliche Fragen bleiben dabei unbeantwortet, was nach dieser kurzen Zeit zur noch größeren Unzufriedenheit am Ende führt.

      Ni-Ohnimusha

      Onimusha: Warlords

      Auch wenn die Charaktermodelle etwas aufgehübscht wurden, so wirkt die Mimik noch immer platt und lustig.

      Anders als das oben genannte Okami, welches optisch einerseits stark von dem einzigartigen Artstyle und andererseits vom zeitlosen Cel-Shading-Look profitiert hat, sieht das alles bei Onimusha ein wenig anders aus. Wenngleich sich das Bild aufgehübscht und absolut flüssig darstellt, so können speziell die vorgerenderten Hintergründe die knapp 18 Jahre zwischen dem Original und dem Remaster nicht verstecken.

      Anscheinend war es keine leichte Aufgabe, diesen ebenfalls ein frischeres Grafikgewand umzulegen. Die vielen starren Umgebungen wirken verwaschen und stehen im extremen Kontrast zu den teils stark überarbeiteten Charaktermodellen. Somit ist die Diskrepanz zwischen diesen beiden Faktoren noch viel größer, als sie es noch zum Release war, was sich selbstverständlich negativ auf die Immersion und Atmosphäre auswirkt.

      Die Charaktermodelle sind zwar überarbeitet worden, aber auch hier hat man bereits wesentlich beeindruckendere Restaurierungen gesehen. Besonders die Mimik wirkt noch immer derart steif und veraltet, dass sie sehr oft zu ungewollten Lachern führt. Lippensynchronität ist, zumindest was die englische Synchronisation angeht, so gut wie nicht vorhanden.

      Unterschiede bei der Sprachausgabe

      Teilweise bewegen sich die Lippen noch Sekunden nach dem Ende der Dialogzeile weiter, was ebenfalls der Immersion schadet, aber für den Humor pures Gold ist. Bei der japanischen Sprachausgabe braucht man sich hingegen keine Sorgen zu machen. Diese ist lippensynchron und von der Qualität der Sprecher und ihrer Arbeit nicht einmal im selben Sonnensystem wie die englische.

      Zugrunde liegt dem unter anderem, dass man sich für Onimusha: Warlords dazu entschieden hat, viele Dialoge komplett neu zu vertonen. Für die englische Sprachausgabe war das anscheinend nicht möglich, obwohl bitter nötig. Diese birgt nämlich den größten Humor-Faktor. Onimusha: Warlords entstand zu einer Zeit, in welcher speziell die japanischen Entwickler sich noch an fremde Lokalisationen, inklusive Sprachausgabe, herangetastet haben. Daher wirken sowohl die Sprecher als auch die Dialoge wie aus einem billigen Samstagmorgen-Cartoon.

      Camp oder nicht Camp

      »Fühlt man sich im Action-Adventure-Genre ein wenig wohl und verzichtet auf Erkundungen, so flimmern die Credits schon nach etwa zwei Stunden über den Bildschirm.«

      Somit zeigt sich wieder eine absolute Dissonanz in Onimusha: Warlords. Dieses Mal zwischen der Vertonung, den Dialogen und der Atmosphäre sowie dem Gameplay. Das dürfte alte Capcom-Fans jedoch nicht stören, da die Firma für solche Lokalisationen und Kontraste bereits bekannt war. Daher empfinden sicher viele Spieler diese Tatsache als Nostalgie-Wert, während andere, neuere Spieler womöglich abgeschreckt werden könnten.

      Doch diese Mischung gibt Onimusha: Warlords eine ganz eigene Identität, die man heute nicht mehr findet. Verstärkend hinzu kommt ein wirklich schöner Soundtrack, der für das Remaster noch einmal überarbeitet wurde und von ominösen Atmosphären bis hin zum orchestralen Epos alles bietet.

      Der Vergleich mit Resident Evil kommt nicht von irgendwo her. Onimusha war von Anfang an als das Samurai-Pendant zum beliebten Survival-Horror-Franchise geplant. Was sich, abgesehen von der ungewollten Komik, besonders in der Kamera und der Steuerung widerspiegelt. 2001 konnte man Samanosuke ausschließlich mit der sogenannten Tank-, also Panzer-Steuerung bewegen, die bereits in den ersten drei Resident-Evil-Teilen zum Einsatz kam.

      Glücklicherweise haben sich die Entwickler dazu entschieden, beim Remaster Onimusha: Warlords auf dieses Relikt zu verzichten. Stattdessen funktioniert die Steuerung hier wie bei jedem anderen Action-Adventure-Spiel auch. Wer jedoch nicht auf diese fehlgeführte Nostalgie verzichten will, der muss nicht verzagen. Für das D-Pad des Joy-Cons gilt nach wie vor das alte Schema. Dies sei auch all jenen ans Herz gelegt, die auf Herausforderungen stehen.

      Dadurch geht einem das Gameplay wesentlich einfacher von der Hand. Aber da die Kamera, ebenfalls wie bei Resident Evil, fix ist und nur einzelne vorgerenderte Bilder die Hintergründe darstellen, kann es so schnell zu Problemen kommen. Bei der Tank-Steuerung lief der Charakter nur in die Richtung, in die er geguckt hat.

      Läuft man mit diesem Schema durch einen Gang, der aus vier verschiedenen Kameraperspektiven besteht, so muss man nur nach vorne drücken und der Charakter läuft geradeaus durch die vier Abschnitte. Der Wechsel der Perspektive spielt in diesem Szenario keine Rolle. Würde man aber denselben Gang mit der modernen Steuerung durchqueren, so läuft der Charakter in die Richtung, in welche die Kamera zeigt, wenn man den Stick nach vorne drückt.

      Survival-Samurai-Action

      Onimusha: Warlords

      Auch wenn die meisten Aspekte von Onimusha: Warlords nicht besonders beeindruckend gealtert sind, so macht das Kampfsystem dennoch Spaß.

      Da die KI der Dämonen praktisch nicht vorhanden ist und die Kämpfe schnell vorbei sind, hat man damit zunächst keine Probleme. Wo die fixe Kameraperspektive jedoch frustrierend wird, sind die Bosskämpfe. Sie dauern lange und finden in großen Arenen statt, die in mehrere Bilder aufgeteilt werden.

      Somit muss man sich alle paar Meter wieder umorientieren und sieht oft nicht, wo der Feind steht und ob er angreift. Das führt zum ein oder anderen Totschlag. Leider befinden sich kurz vor diesen Kämpfen Zwischensequenzen, die nicht übersprungen werden können und durch das Beibehalten des ebenfalls antiquierten Speichersystems kann jeder Tod noch wesentlich frustrierender werden.

      Das Kampfsystem von Onimusha: Warlords an sich ist nicht besonders komplex, aber macht heute noch Spaß. Mit drei unterschiedlichen Waffen, die sich bedingt verbessern lassen, schnetzelt man sich durch eine Handvoll verschiedener Gegner, die kaum eine Herausforderung darstellen.

      Selbst die Bosskämpfe wären ein Kinderspiel, wenn die Kamera zeitgemäß wäre. Daher ist es ein Mysterium, wieso der höhere Schwierigkeitsgrad erst durch das Sammeln bestimmter Items freigeschaltet werden muss und nicht von Anfang an oder zumindest nach dem ersten Durchspielen zur Verfügung steht.

      Da man ohne ein sinnvolles Tutorial ins Spiel geworfen wird, folgt nun eine kleine Zusammenfassung: Jede Waffe besitzt einen Kombinationsangriff, den man 90% der Zeit benutzen wird. Außerdem gibt es noch zwei bis drei weitere gezielte Schwerthiebe, die man aus einer Angriffsposition heraus verwenden kann, einen Bogen sowie eine Elementare-Spezialattacke für jede Waffe.

      Letztere kann nur eingesetzt werden, wenn die dazugehörige Leiste mit Seelen gefüllt ist. Diese erhält man von Schreinen oder von besiegten Gegnern. Es gibt gelbe, die Gesundheit regenerieren, blaue, mit denen man die Spezialleiste füllt, und rote Seelen, die benutzt werden können, um die Waffen zu verbessern oder Items herzustellen.

      Kurz und schmerzlos

      Onimusha: Warlords

      Der Dämonen-Handschuh. In der Story ein ungelöstes Mysterium und im Gameplay eine spannende Idee. Im Sequel noch besser.

      Mit Hilfe eines Dämonen-Handschuhs muss man die Seelen manuell einsaugen. Das geht jedoch nur im absoluten Stillstand, sodass man während dieser Zeit ein leichtes Ziel für weitere Feinde ist. Da die Seelen bereits nach einer kurzen Zeit verschwinden, ist es nicht möglich, erst alle Gegner zu töten und die Seelen dann erst einzusaugen. Blocken oder Ausweichen sind ebenfalls möglich, aber absolut unnötig.

      Fragwürdig ist zudem die Tatsache, dass man erst komplett stillstehen muss, bevor man die Waffen wechseln kann. Dadurch verliert das Kampfsystem stark an Dynamik. Nichtsdestotrotz funktioniert es auch heute noch gut. Es ist schnell, eingängig und sorgt mit den nötigen Effekten für einen ordentlichen Kick. Mit nur wenig Aufwand seitens der Entwickler hätte es jedoch weitaus besser werden können.

      Abwechslung bieten die vielen kleinen Rätsel, die im Schloss verteilt sind. Einige davon kann man erst lösen, nachdem man die passenden Wörterbücher durchforstet hat, was die Motivation zum Erforschen deutlich steigert. Sehr anspruchsvoll ist keines dieser Rätsel, aber da diese in der heutigen Zeit zur Rarität geworden sind und sich die Ingame-Belohnungen lohnen, machen sie umso mehr Spaß.

      Ying und Yang

      »Onimusha: Warlords ist heute wie damals ein Spiel der Kontraste. Grafisch stehen sich die starren Hintergrundbilder und die überarbeiteten Charaktermodelle entgegen. Inhaltlich die wirklich witzige englische Lokalisierung und das Survival-Dämonen-Abenteuer. Komplett bizarr, aber einzigartig. Mit wenigen Neuerungen wie Dual-Audio, dem HD-Upgrade und der Steuerung hat Capcom den Klassiker aus 2001 in die Moderne geholt.

      Gut gealtert ist das Spiel jedoch nicht. Die verwaschenen und unscharfen Hintergründe, die fixe Kameraperspektive, die für ein anderes Genre optimiert wurde, und besonders die Länge des Spiels können Neulingen übel aufstoßen. Zwar kommt dank einfachem, aber spaßigem Kampfsystem, den Rätseln und den vielen Lachern keine Langeweile auf, aber hier wäre eindeutig mehr drin gewesen. Jetzt kann man als Fan nur hoffen, dass die besseren Nachfolger auch und bestenfalls sorgfältiger modernisiert werden.«

       

      Heruntergebrochene „Prinzessin in Not“-Geschichte mit Dämonen im feudalen Japan. Leider ohne Charakter oder Tiefe.
      Simples, aber spaßiges Hack-’n‘-Slash-Kampfsystem. Die unpassende Kameraführung wird von der dummen KI kompensiert.
      Verwaschene und unscharfe Umgebungen. Überarbeitete Charaktermodelle, die jedoch immer noch Papp-Mimik besitzen. Dennoch solide Atmosphäre.
      Stimmiger und abwechslungsreicher Soundtrack. Überzeugende, teils neu aufgenommene japanische Vertonung. Absolut fantastische englische Lokalisierung, wenn auch aus falschen Gründen.
      Story ist in zwei bis drei Stunden durch. Zusatz-Arenen und Collectibles verdoppeln die Spielzeit. Anfangs nur zwei zu leichte Schwierigkeitsgrade verfügbar; später kommen mehr sowie zusätzliche Kostüme hinzu.
    • Schöner Test.
      Hat mich auch dann überzeugt, die 20€ zu blechen. Gerade die kurze Spielzeit reizt mich ja.
      Ein schönes kurzes, knackiges Action-Adventure tut heutzutage echt gut.
      Ich werd auch gleich mit der neuen Steuerung starten. Zwar ist das Gameplay um die klassische Steuerung herum gebaut, aber...es sind halt Tank Controls. <X