Im Test! 11-11: Memories Retold

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    • Im Test! 11-11: Memories Retold

      Titel 11-11 Memories Retold
      Japan 09. November 2018
      Bandai Namco
      Nordamerika 09. November 2018
      Bandai Namco
      Europa 09. November 2018
      Bandai Namco
      System PlayStation 4, Xbox One, PC
      Getestet für PlayStation 4
      Entwickler Aardman, DigixArt
      Genres Story-Adventure
      Texte
      Japan
      Vertonung Nordamerika Japan

      Bildmaterial: 11-11: Memories Retold, Bandai Namco

      Krieg in Videospielen. Ein Konzept, mit dem in diesem Medium schon viel experimentiert wurde. Ob epische Weltraumschlacht oder historisch verwurzelt. Als Schauplatz für einen spannenden Deckungsshooter oder Grundlage für einen komplexen Taktiktitel. Der Krieg hat viele digitale Gesichter.

      In 11-11 Memories Retold wird der Erste Weltkrieg zum Thema. Hier dient der Krieg aber weniger als Setting, um bestimmte Gameplay-Elemente zu ermöglichen. Vielmehr geht es darum, eine Geschichte zu erzählen: Die Geschichte einer unglaublichen Freundschaft zu einer ungeheuerlichen Zeit, voll unüberwindbarer Hindernisse.

      Nehmt Abschied, Brüder!

      Man fährt abwechselnd in die Haut des deutschen Ingenieurs Kurt und des kanadischen Fotografen Harry, die beide aus ganz unterschiedlichen Beweggründen in den Krieg ziehen. Während der Deutsche auf den Spuren seines Sohnes der Front immer näher rückt, ist der Kanadier ein naiver junger Mann, der mithilfe von Uniform und Kriegsgeschichten seinem Schwarm Julia imponieren will.

      Beide Charaktere sehen die Welt aus ganz anderen Augen und auch im Gameplay unterscheiden sie sich. Während Kurt in einer Art Minispiel Funkgeräte repariert und den Feind belauscht, schießt Harry Fotos seiner Umgebung. Natürlich gibt es noch mehr zu tun. Briefe an die Liebsten zuhause verfassen, Botendienste erledigen, Maschinengewehre abkühlen oder sich mit einer Runde Karten die Zeit vertreiben – gekämpft wird in 11-11 Memories Retold nicht.

      11-11: Memories RetoldNeben den Tätigkeiten, die dem Spieler abverlangt werden, lohnt es sich, seine Umgebung zu erkunden. Neben optionalen Inhalten und NPCs liegen überall Collectibles verteilt. Hat man ein Set gesammelt, erhält man buchstäblich ein kleines Stück Geschichte: Im Menü wird dann ein Bild (beispielsweise ein Foto, eine Zeichnung oder ein Zeitungsausschnitt) freigeschaltet, zu dem es hochinteressante Informationen zum Ersten Weltkrieg gibt. Schade nur, dass man gerne mal ein Teilstück übersieht oder zu früh mit der Story fortschreitet.

      Überhaupt nahm die eifrige Zettelchensuche viel Schwung aus dem Spielverlauf. Es wäre vielleicht ein Kompromiss gewesen, die historischen Informationsschnipsel nicht in mehrere Stücke aufzuteilen, sondern ein einzelnes Collectible einer Information zuzuteilen. So müsste man nicht teilweise bis zu vier Einzelteile suchen, um etwas Neues zu lernen.

      Man könnte das Gameplay dieses Spiels eher als Ansammlung kleiner Aufgaben beschreiben. Sie stellen keine Herausforderung dar und verlangen nicht nach besonderem Geschick. Sie sind Mittel zum Zweck, um diese Welt aufzubauen und die Handlung voranzutreiben. Wichtige Entscheidungen, die den Verlauf des Spiels wirklich beeinflussen, gibt es erst ganz am Ende. Das funktioniert alles jedoch erstaunlich gut, wenn man bereit ist, sich auf einen Titel einzulassen, der von der Handlung und zwischenmenschlichen Geschehnissen getragen wird.

      Die Welt als Gemälde

      Der grafische Stil von 11-11 Memories Retold ist markant und buchstäblich nicht zu übersehen. Das gesamte Spiel sieht aus, als wäre man in ein Gemälde von Claude Monet gezaubert worden. Die Welt ist aus relativ groben Farbtupfen aufgebaut und scheint immerzu in Bewegung zu sein und ständig zu flackern.

      Obwohl diese Designentscheidung zugegebenermaßen sehr gewöhnungsbedürftig ist und stellenweise irritiert, konnte ich mich nach kurzer Zeit dafür erwärmen. Das lag nicht zuletzt daran, dass die Farbwahl und das Spiel des Lichts oft so wunderschöne Szenarien kreiert haben.

      Sinfonie des Krieges

      Der Titel wird von wunderschönen orchestralen Arrangements begleitet, die zugleich wunderbar zum zarten grafischen Stil des Spiels passen. Auch die Synchronisation der Charaktere ist erstklassig und glänzt mit prominenter Besetzung von Sebastian Koch und Elijah Wood in den Hauptrollen. Auch die übrigen Figuren, vom wichtigen Familienmitglied bis hin zum namenlosen Soldaten, sind professionell vertont. Es fällt jedoch unangenehm auf, wie häufig sich die Synchronstimmen von Kurts Kameraden wiederholen.

      Die Charaktere sprechen sogar in ihrer jeweiligen Muttersprache, was dem Titel einen authentischen Anstrich verleiht. Es war jedoch eine merkwürdige Entscheidung, Kurt und seine Frau Englisch sprechen zu lassen, wenn sie die Handlung anhand von Briefen an den jeweils anderen schilderten. Im normalen Spielverlauf sprachen sie schließlich auch Deutsch und wurden untertitelt. Es wäre konsequenter gewesen, das auch während ihrer Brief-Narration im Off beizubehalten – besonders im Hinblick darauf, dass das Spiel etabliert hat, dass sie nicht Englisch sprechen können.

      Das Leben ist ein Spiel

      »11-11 Memories Retold ist eine Charakterstudie – es rückt seine Protagonisten in den Vordergrund, betrachtet deren Wünsche, Motivationen und Ängste aus sehr verschiedenen Sichtweisen. Der Krieg ist die Rahmenhandlung, der Grund, weshalb sich der Fokus dieser Figuren verschoben hat. Es geht vielmehr um die persönliche, vergleichsweise kleine Erlebniswelt dieser beiden Männer. Die Mikroebene des Krieges vielleicht?

      So anrührend und immersiv das Spiel auch sein mag, ganz ohne Längen kommt es nicht aus. Stellenweise hätte mehr Anspruch und Druck dem Gameplay sicher gut getan und dem etwa sechsstündigen Titel mehr Unterhaltungswert verliehen. So fühlten sich bestimmte Aufgaben manchmal eher wie lästiges Beiwerk an, um endlich die Geschichte voranzutreiben.

      Zum Schluss muss man besonders hervorheben, dass der Titel sehr würdevoll mit der Thematik umgeht. Hier gibt es keine cartoonhaften Bösewichte, keine Helden und keine schwarz-weiße Moral. Keine Tat geschieht ohne Antrieb und Beweggrund. In 11-11 Memories Retold schwingt immer wieder die Aussage mit: „Wir sind nicht so verschieden“. Das Leben ist ein bisschen wie ein Spiel, ein Münzwurf vielleicht. Ob wir Feinde sind, bestimmen nicht du oder ich. Es sind die Spielregeln – und die können sich morgen schon wieder ändern.«

       

      Ein paar Monate vor dem Ende des Ersten Weltkrieges kreuzen sich die Wege der feindlichen Soldaten Kurt und Harry.
      Die Story ist der Hauptfokus des Spiels. Das Gameplay beschränkt sich auf kleine Aufgaben und das Einsammeln von Collectibles.
      Ungewöhnlicher „Gemälde-Look“ mit schönem Farb- und Lichtspiel.
      Wunderschöne orchestrale Arrangements, professionelle Vertonung.
      Das Spiel enthält viele informative Fakten zum Ersten Weltkrieg und beinhaltet alternative Enden.