Im Test! Dillon’s Dead-Heat Breakers

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    • Im Test! Dillon’s Dead-Heat Breakers

      Titel Dillon’s Dead-Heat Breakers
      Japan 26.04.2018
      Nintendo
      Nordamerika 24.05.2018
      Nintendo
      Europa 25.05.2018
      Nintendo
      System Nintendo 3DS
      Getestet für Nintendo 3DS
      Entwickler Vanpool
      Genres Action / Tower Defense
      Texte
      Japan 
      Vertonung Japan 

      Man hat es nicht leicht als Armadillo. Die Karriere des gepanzerten Gürteltiers Dillon aus seinem gleichnamigen Franchise verlief bislang alles andere als erfolgreich. Nach seinem Debüt im Jahre 2012 mit Dillon’s Rolling Western folgte zwei Jahre später zwar ein Nachfolger mit Dillon’s Rolling Western: The Last Ranger, aber beide Titel konnten sich bislang allerhöchstens nur im Nischenbereich aufhalten und fanden nie den großen Sprung nach vorne. Das lag vor allem auch am Gameplay, welches sich durch seine Touchscreen-Steuerung etwas klobig anfühlte.

      Dennoch gibt das kleine Entwicklerstudio Vanpool nicht auf und spendiert dem stummen Dillon einen dritten Teil des Tower-Defense-Spiels für Nintendo 3DS mit Dillon’s Dead-Heat Breakers, welcher auf den ersten Blick recht überzeugend wirkt. Doch kann sich der rollende Revolverheld auch in der Praxis behaupten?

      Angesiedelt in einem postapokalyptischen Setting streift der schweigsame Dillon gemeinsam mit seinem Gefährten Russ, welcher ein technisches Genie ist, durch die Einöde. Jedoch ist in dem Endzeit-Szenario wie zu erwarten nicht alles ruhig, denn schon bald werden die beiden Zeugen einer Verfolgungsjagd: Steinmonster verfolgen einen Truck, an dessen Steuer euer Mii sitzt – die erste Präsentation eines Kernfeatures des Spiels. Zu Beginn werdet ihr darum gebeten, ein Mii aus eurer Kollektion auszusuchen, welches fortan euer persönlicher Hauptcharakter neben Dillon sein wird. Dabei wird euer Mii in ein sogenanntes “Amiimal”, ein anthropomorphes Tier, verwandelt, dessen Resultat durchaus unterhaltsam erscheint, wenn ihr das durchaus komische Aussehen eures Miis mit Wolfsschnauze und Rute erspäht. Ab dem Punkt macht das Spiel deutlich: Es sollte nicht zu ernst genommen werden.

      Dillon und Russ können natürlich nicht tatenlos zusehen, also wird schnurstracks die Verfolgung aufgenommen. Dabei werdet ihr direkt mit dem Kerngameplay des Spieles konfrontiert, den rasanten Gefechten. Ihr beschleunigt das Gürteltier mit dem A-Knopf und könnt seine Boost-Anzeige aufladen, mit der ihr euch noch schneller nach vorne bewegen könnt. Steuern lässt sich Dillon inzwischen komfortabel mit dem Schiebepad des Handhelds. Im Prinzip braucht ihr nicht mehr Knöpfe zu drücken. Das Gameplay entpuppt sich als extrem simpel, aber spaßig. Ihr verfolgt also den Truck auf einer geradlinigen Strecke, während ihr die Steinmonster ausschaltet, die euch entgegenkommen. Das geschieht, indem ihr sie mit voller Wucht von der Seite anrempelt und weiterhin Gas gebt. Pures Dranbleiben ist natürlich auch nicht angesagt, denn eure Widersacher feuern euch gelegentlich beherzte Angriffe entgegen, denen ihr ausweichen müsst.

      Blitzschnell fegt Dillon über die Karte, die ihr permanent auf dem unteren Bildschirm im Überblick habt.

      Habt ihr eurer Amiimal vor den Gefahren gerettet, klärt dieser euch über seine Lage auf, denn er ist nicht auf dem Weg zur Stadt Fort Mayor von ungefähr. Sein Heimatdorf wurde von Monstern belagert und er hat es gerade rechtzeitig geschafft, zu fliehen und nach Hilfe zu suchen. Das Gürteltier und sein Begleiter beschließen sich der Befreiung anzuschließen und das Dorf eures Charakters zu retten. Einfacher gesagt als getan, denn eine riesige Kuppel schneidet eure Heimat von der Außenwelt ab. Der Tüftler Russ hat da natürlich einen Plan: Eine riesige Kanone bauen, die die Schutzmauer durchbrechen soll. Doch dafür bedarf es Geld und Materialien, dessen Beschaffung nun der rote Faden und das Kernelement des Spiels ist.

      Euer Basislager ist die Stadt Fort Mayor, in der ihr euch als Amiimal frei bewegen könnt. Ihr habt die Möglichkeit, diverse Orte zu besuchen, die euch allesamt im Spiel weiterbringen und helfen. Der wichtigste Ort ist allerdings das Hotel samt Werkstatt, wo ihr viel Zeit verbringen werdet. Für euren Befreiungsplan bedarf es nun mal einiges an Ressourcen und um an diese zu kommen, nehmt ihr diverse Aufträge an, bei denen ihr Dörfer von fiesen Monstern befreien müsst. Als Belohnung winken dann einige Materialien sowie etwas Geld, welches ihr für den Bau eurer Waffe benötigt. Natürlich geht ihr nicht nur zu dritt in Gefechte, sondern heuert eine Vielzahl verschiedener Mitstreiter an. In der Lobby des Hotels gesellen sich viele fähige Schützen, die ihr für Geld rekrutieren könnt. Dabei weisen sie unterschiedliche Eigenschaften vor, wie etwa verschiedene Waffen, deren Reichweite sich beachtlich auf das Geschehen auswirkt. Das Spiel nutzt auch bei den Schützen eure Kollektion an Mii-Charakteren und verleiht ihnen so eine gewisse Persönlichkeit – und tierische Attribute. Dabei können sehr skurrile und witzige Kombinationen entstehen, je nachdem was für Miis ihr habt. Habt ihr euren Trupp für eine Mission zusammengestellt, könnt ihr auch schon direkt ins Gefecht einsteigen.

      »Da es sich bei Dillon’s Dead-Heat Breakers um ein Tower-Defense-Spiel handelt, gehört eine strategische Planung vor einer Mission wie der Käse zum Wein.«

      Da es sich bei Dillon’s Dead-Heat Breakers um ein Tower-Defense-Spiel handelt, gehört eine strategische Planung vor einer Mission wie der Käse zum Wein. Ihr könnt eure angeheuerten Schützen nach Belieben auf verschiedene Posten setzen, wo sie mit aller Kraft gegen die antretenden Steinmonster kämpfen werden. Auf der Karte selbst steuert ihr wiederum Dillon anstatt eures Amiimal. Dieser streift als Einzelkämpfer umher und verwickelt Monster auch in Nahkämpfe. Vor Gefechten könnt ihr durch die Gegend ziehen und Ressourcen wie Erze aufsammeln, mit denen ihr die Geschütztürme verstärken könnt. Diese Türme haben aber auch eine andere Funktion: In ihnen sitzen die schafsähnlichen Manju, die es zu beschützen gilt. Sind alle Manju erledigt, heißt es Game Over. Ihr könnt auch die Anzahl eurer Manju erhöhen, indem ihr bestimmte Items auf der Karte einsammelt und sie vermehren lasst.

      Habt ihr eure Vorbereitungen abgeschlossen, könnt ihr euch auch schon mitten ins Gefecht begeben. Auf der ganzen Karte verteilt werden eure Widersacher erscheinen, die sich in Richtung Türme aufmachen. Ihr rollt nun quer über das Feld und befreit dieses von den Schädlingen. Rempelt ihr ein Monster an, verwickelt ihr es in einen Kampf, bei dem sich das Kampffeld ändert. Ihr befindet euch in einer kleinen Arena und müsst nun die Fieslinge direkt mit Attacken umhauen. Dazu rollt ihr mit voller Wucht auf sie zu und könnt sogar ein paar kleine Kombo-Angriffe entfesseln. Das ist nichts sonderlich Aufregendes, reicht aber durch ein simples Prinzip für Spielspaß. Nebenbei lassen Gegner in diesen Kämpfen Materialien fallen, die ihr für den Bau der Waffenteile eurer Kanone benötigt. Sind alle Gegner vernichtet, kommt das große Finale: Eine handvoll verstärkter Steinmonster fährt ringsherum durch die Karte und es gilt diese im Zeitlimit bei hohem Tempo auszuschalten, bevor diese sich voll aufladen und verstärken. Es ist nicht schlimm, wenn ihr einen verpassen solltet – diesen müsst ihr danach nur in einem Kampf wie vorher in die Knie zwingen. Nach einer erledigten Mission kommt nochmal eine ordentliche Summe Geld auf euch zu.

      »Die Soundkulisse von Dillon’s Dead-Heat Breakers überzeugt mit einem Klang, der das postapokalyptische Szenario wunderbar einfängt. An einigen Stellen etwas ruhig, aber in den richtigen Sequenzen wird man von einer stimmigen Musik begleitet.«

      In Fort Mayor bieten diverse NPCs verschiedene Dienste für euch an, die euch auf den Feldzügen helfen. Wie gewohnt könnt ihr euch in den Shops bessere Ausrüstung für Dillon oder euer Amiimal zulegen oder euch ein anderes Item für den Kampf kaufen – wie etwa eine Bombe statt einem Geschwindigkeitsboost. Um euch nebenbei etwas Geld zu verdienen und den Tag bis zur nächsten Mission zu überbrücken, könnt ihr diverse Nebenaktivitäten ausführen, bei denen ihr ehrliches Geld für ehrliche Arbeit erwerben könnt. Unter anderem dürft ihr in einem kleinen Markt aushelfen und euch als Kassierer versuchen, während ihr woanders euer Glück in einer VR-Arena versucht. Sogar zu Rennen könnt ihr Dillon heimlich anmelden, damit dieser sich dort ein wenig Preisgeld einheimsen kann. Die Aktivitäten bieten eine nette Abwechslung zum eigentlichen Gameplay und machen Spaß, können aber auf Dauer nicht wirklich unterhalten.

      In Sachen Grafik sticht Dillon’s Dead-Heat Breakers nicht unbedingt weit hervor auf dem Nintendo-3DS-System. Es ist die gewohnt pixelige-heimische Qualität, wie man es von den meisten Titeln auf dieser Konsole gewohnt ist. Verstecken braucht es sich in keinster Weise vor anderen Spielen, aber es ist auch nicht die große Grafikwumme, die man auf dem kleinen Gerät erwarten könnte. Einen soliden Job macht das Spiel, wenn es um die Charaktermodelle geht.

      Die Amiimals sehen zwar recht ulkig aus, sind euch aber ein treuer Begleiter auf dem Schlachtfeld.

      Sie sehen allesamt schön gestaltet aus und gerade die Miis werden toll in Szene gesetzt. Animationstechnisch fällt es etwas flach aus in Zwischensequenzen, gerade Münder bewegen sich kaum. Aber darüber kann man hinwegsehen, wenn man das einfach zum generellen lockeren Humor des Spiels zählt. Der Titel nimmt sich selbst sowieso an vielen Stellen nicht allzu ernst und zaubert einem gerne mal ein Lächeln ins Gesicht. Gerade wenn Russ wiedermal flotte Sprüche bringt und mit der Tür ins Haus fällt, während keiner ihn so wirklich ernst nimmt dafür. Viele Charaktere sind jedoch nur oberflächlich, haben aber dennoch unterhaltsame Dialoge, verschiedene Charakterzüge und können durch Abwechslung unterhalten.

      Sprechen können sie übrigens auch, allerdings geben sie oftmals nur Nonsens-Gebrabbel von sich, wie es damals schon Banjo-Kazooie gleich taten oder nun auch Yooka-Laylee. Das passt zum Charme und Humor des Spiels, ist aber auf Dauer doch ein wenig anstrengend und nervig. Abseits davon überzeugt die Soundkulisse von Dillon’s Dead-Heat Breakers mit einem Klang, der das postapokalyptische Szenario wunderbar einfängt. An einigen Stellen etwas ruhig, aber in den richtigen Sequenzen wird man von einer stimmigen Musik begleitet. Zwar ist sie kein Meisterwerk, aber trägt dennoch zur gesamten Erfahrung bei. Auch die Soundeffekte in Kämpfen oder von Dillon selbst stimmen wie die Faust aufs Auge. Eine Rückmeldung zu Treffern an Gegnern ist stets akustisch zu vernehmen und fühlt, respektive hört sich gut an.

      Leider ist Dillon’s Dead-Heat Breakers ein reines Singleplayer-Spiel und lässt sich nicht lokal oder online mit anderen spielen. Der Tower-Defense-Ansatz wäre ein optimaler Spielplatz für ein paar Multiplayer-Partien, aber das Fehlen dieser Funktion bricht dem Spiel keinen Zacken aus der Krone. Wer sich außerdem etwas schlau machen möchte über die Welt oder sein Wissen auffrischen will, der kann im integrierten Lexikon alles über die Welt, seine Bewohner und Monster nachschlagen. Eine praktische Funktion, wenn man tiefer in das Universum eintauchen möchte.

      Fazit

      »Mit Dillon’s Dead-Heat Breakers kam kein revolutionärer Titel für Nintendo 3DS auf den Markt, der nochmal für einen ordentlichen Aufschwung am Ende der Lebensspanne sorgen wird. Verstecken braucht sich das Spiel dennoch in keinster Weise vor seinen anderen Kollegen im Regal. Es ist schön den rollenden Revolverhelden nach ein paar Jahren der Pause wieder umherflitzen zu sehen, wobei er dieses Mal mit einer angenehmeren Steuerung daherkommt und sich seinen Weg sogar in den Einzelhandel bahnt.

      Mit seinem leicht zu verdauenden Humor und seinem simplen Gameplay weiß der Titel ein ordentliches und sauberes Tower-Defense-Spiel auf Nintendos Handheld zu bringen. Die Missionen machen Spaß und fühlen sich dank frei begehbarer Karte dynamisch an, während ihr euch dennoch um eure Türme kümmern müsst. Zwischendrin wird es dank diverser Nebenaktivitäten ebenfalls nicht schnell langweilig, kann aber auf Dauer etwas eintönig wirken. Mit der Einbindung eurer Mii-Charaktere wird den Schützen, die ihr anheuern könnt, etwas Persönlichkeit verliehen und sorgt dank unterhaltsamer Dialoge auch für den ein oder anderen Lacher. Im Gesamtpaket fühlt sich das Abenteuer im postapokalyptischen Western so rund wie das namensgebende Gürteltier an und kann eine Zeit lang wirklich gut unterhalten. Ein gelungener Nachfolger einer kleinen Nischenreihe, welcher gleichzeitig ein erfolgreiches Comeback markiert.«

       

      Ihr plant gemeinsam, das Dorf eures frisch entkommenen Amiimal von der Bedrohung durch Monster zu befreien und benötigt für dieses Vorgehen eine große Wumme, an deren Anschaffung ihr euch nun ranmacht.
      Ein Tower-Defense-Spiel, auf dessen Karte ihr mit Dillon nach Belieben umherrollen könnt und in Echtzeitgefechte verwickelt werdet.
      Nichts Aufregendes, nichts Furchtbares. Gutes Mittelfeld, welches für Nintendo-3DS-Verhältnisse passabel aussieht.
      Ein stimmiger Soundtrack, der die postapokalyptische Szenerie unterstützt. Gelegentlich ein bisschen zu wenig Hintergrundmusik. Die Soundeffekte im Kampf geben gutes Feedback. Gebrabbel der NPCs kann auf Dauer nerven.
      Viel zum Nachschlagen, zum Lesen und eine gute und viel genutzte Einbindung eurer Mii-Charaktere.